Der Aufbau einer Rede oder Präsentation

„Eine gute Rede hat einen guten Anfang und ein gutes Ende – und beide sollten möglichst dicht ­beieinander liegen.“

Mark Twain

Untersuchungen ergaben, dass Mark Twain recht hatte. Man erinnert  sich besser an den Anfang und das Ende einer Präsentation als an den Mittelteil (Primacy und Recency effect).

Im Folgenden findest Du den strukturellen Aufbau einer Rede oder Präsentation. Erst im Überblick, dann detaillierter vor allem Anfang und Ende.

Gesamtstruktur einer Präsentation:

Einleitung

Ziel:

  • Zuhörer gewinnen
  • Orientierung geben

 

Inhalte:

  • Introduction = Ich stelle mich und mein Thema vor
  • Purpose = Zweck/Nutzen für Zuhörer herausstellen
  • Zauberwort: „...damit….“
  • Outline = Rahmen/Überblick zum Ablauf liefern
  • Transition = Übergangssatz zum erste Punkt des Hauptteils


→ erst freundlich, später kompetent (im Hauptteil)
→ ein „Ohrenöffner“ zum Einstieg darf & soll sein


Hauptteil

Ziel:

  • Überzeugen
  • Argumentieren
  • Als Experte interpretieren
  • Appell. Was der Zuhörer denken und tun soll.

Inhalte:

Möglichst maximal 3 Hauptpunkte oder 3 Hauptbereiche, innerhalb derer helfen die 3 Bs:

  • Behauptung
  • Begründung
  • Beispiel

Schluss

Ziel:

  • Zusammenfassen, Kernaussagen wiederholen

Inhalte:

Zusammenfassung der Kernaussagen (nicht des Rahmens der Rede = häufiger Fehler!)
→ evtl. Appell oder Handlungsaufforderung

Der Einstieg in die Präsentation:

Introduction

Ziel:

Hintergrundinfo („Ohrenöffner“)

Beispiele:

  • „Herzlich Willkommen, meine Damen und Herren.
  • Mein Name ist _____ und ich stelle das Thema ... vor.
  • Ich sorge für_____ / Ich bin verantwortlich für_____,“
  • „Für diejenigen, die mich noch nicht kennen, darf ich mich noch einmal vorstellen: Mein Name ist____“

Touch

Ziel:

Vorstellung der eigenen Person und des Themas

Beispiele:

  • „Wie Sie vielleicht wissen…
  • Aber was Sie vielleicht noch nicht wissen...“
  • „Wir haben uns die Frage gestellt …“
  • „Viele unserer Studenten beschäftigt die Frage, …“
  • „Sie kennen vielleicht die Situation:…“
  • „Wie ich heute in der Zeitung gelesen habe, … / Wie ich gestern im Fernsehen gesehen habe, …“
  • „Heute früh auf dem Weg hierher…“

Purpose

Ziel:

Ziel der Präsentation erläutern

Beispiele:

  • „Das Ziel meiner heutigen Präsentation ist ...“
  • „Was ich Ihnen heute zeigen möchte, ...“
  • „…damit Sie…“
  • „…damit wir…“

Outline

Ziel:

Gliederung der Präsentation

Beispiele:

    „Meine Präsentation ist in 3 Bereiche gegliedert:

  • Erstens: …
  • Zweitens: …  
  • Drittens:…“

Transition

Ziel:

Übergang zum ersten Punkt

Beispiele:

  • „…Zurück zum ersten Punkt ...“
  • „Ich komme nun zum ersten Punkt und damit zu der Frage/dem interessanten Umstand/etc. …“

(WIEDERHOLE den ersten Punkt!)

Ohrenöffner zu Beginn der Rede

Ziel:
Zum Gewinnen des Publikums für sich als Person und für die Sache. Er sorgt für die nötige Aufmerksamkeit und das Wohlwollen des Publikums und schafft eine angenehme Atmosphäre.

Thematisieren

Ich habe mir lange Gedanken gemacht, wie ich diesen Vortrag am besten beginne. Ich fragte meine Freunde; die rieten mir einen Witz zu machen, meine Tante meinte, ich solle das Lied spielen „Always look at the bright side of life“. Ich habe mich dann schließlich entschlossen, da wir alle wenig Zeit haben, einfach ‚in medias res’ zu gehen.

Story

Eine persönliche Erfahrung mitteilen: „Neulich stehe ich in der Buchhandlung und muss in der Schlange zur Kasse warten. Da spricht mich auf einmal von hinten Professor Hektik an und sagt forsch: „Ich habe es sehr eilig. Lassen Sie mich bitte rasch vor.“ Was sollte ich tun?... Entscheidungen sind immer abhängig von der Situation. Unser Thema heute handelt von den psychologischen Bedingungen von Entscheidungen....”

Konkretes (z.B. regionaler Bezug)

Was ich besonders an München mag, ist der Schweinebraten mit Dunkelbiersauce im Augustiner.

Neues

Sicher wussten Sie, dass die Griechen die Rhetorik erfunden haben. Was Sie vielleicht nicht wussten: Platon, der Philosoph, war geradezu ein Rhetorikhasser....

Vergleiche

Um eine Vorstellung zu bekommen, wie viel Geld eine Milliarde ist: in 500 €-Scheinen gestapelt ergibt das eine Höhe wie den Eiffelturm in Paris.....

Interaktion

FRAGEN stellen: „Wer von Ihnen brauchte heute früh länger als eine Stunde Zeit für die Anreise? Bitte gebt mir ein Handzeichen?“...

Phantasie ansprechen

„Stellen Sie sich doch mal vor, Sie befinden sich im Jahr 2025...
Oder: Was würde wohl Shakespeare dazu sagen, wenn er heute noch unter uns wäre?“

Aktuelles (aus den Medien)

Gestern abend war die Top-Nachricht bei Claus Kleber im Heute-Journal - der Höchststand beim Goldpreis. Die große Frage war: Wie geht es weiter?  Auch bei uns lautet die wichtigste Frage: Was jetzt.....?“

Historisches

Mit Hilfe von Google oder Wikipedia lassen sich zu einem bestimmten Datum Geburtstage von berühmten Persönlichkeiten und besondere Ereignisse herausfinden): so fiel z.B. bei der Einweihung einer Brücke auf, dass genau am gleichen Tag die berühmte Golden Gate Bridge in San Francisco eröffnet wurde.

Zitat

Ein Zitat ist geborgte Autorität. „Wie Albert Einstein schon sagte: Es ist leichter, ein Atom zu zertrümmern als ein Vorurteil!“ Auch zu unserem Thema gibt es ein paar Vorurteile. Trotz Einstein will ich versuchen, sie zu zerschlagen....“

Direkte Rede

Bei unserem letzten Proseminar am 18. September sagte Holger schon ziemlich entnervt: „Die Arbeit in 4 Tagen hinzuklotzen ist mörderisch anstrengend!“ Heute, am 21. September sitzt Holger zwar hier erschöpft, aber glücklich, denn....“

Humor (bitte mit Vorsicht einsetzen)

Allgemein geeignet sind Versprecher; z.B. zum Thema Compliance: „Was wir in Deutschland wieder brauchen, ist der kaufbare Ehrenmann, äh der ehrbare Kaufmann.“

Sichtwechsel

Die Sicht des Publikums einnehmen: „An Ihrer Stelle würden mich zwei Themen besonders interessieren: Wieviel Arbeit wartet auf mich?“ Und „Welchen Nutzen hat es für mich?“  Genau das möchte ich in den nächsten 10 Minuten beschreiben...

Der Schluss

„Tell them what you’re going to tell them. Then tell them. And  – most important at the end: Tell them what you’ve told them.“

Winston Churchill

Damit nahm Winston Churchill den später entdeckten Recency Effekt vorweg. Wir erinnern uns besser an das Ende, weil – wenn richtig angekündigt – die Aufmerksamkeit des Publikums noch einmal sehr hoch ist.

Deshalb sollten am Ende die wesentlichen Aussagen noch einmal wiederholt werden, die Zusammenfassung.

Dann wird vom Vortragenden eine Meinung oder ein Fazit des Gesagten erwartet, die Interpretation.

Schließlich geht es darum, die Zuhörer dazu zu bringen, etwas Bestimmtes zu denken, zu fühlen oder zu tun. Dies kommt zum Ausdruck im emotional-ethischen Appell.

Hier wird bewusst an die Emotionen des Zuhörers und an gemeinsame Werte appelliert mit Ausdrücken wie Verantwortung, Mut, gemeinsam, Herausforderung, Zukunft, Wir, Hoffnung, Vertrauen, Glaube, Kinder, Friede  jetzt, wenn nicht jetzt, wann dann, etc...

Beispiel:
„Wir haben wichtige Arbeiten zu erledigen, wirkliche Probleme zu lösen und neue Möglichkeiten zu nutzen.
Widmen wir unsere Aufmerksamkeit jetzt den wirklichen Herausforderungen!“

Unterstützend werden hier gern rhetorische Stilmittel wie Wiederholungen, Metaphern oder Zitate benutzt.

Es ist wichtig, dass dieser Appell wirklich erst dann eingesetzt wird, wenn zuvor rationale Elemente wie Zahlen, Daten und Fakten in der Argumentation benutzt wurden. Es genügt nicht, die allgemeine Orientierungsübersicht der Outline zu wiederholen, sondern konkrete Zahlen und spezifische Inhalte müssen noch einmal ins Bewusstsein gebracht werden. Nur so kann die ganze Wirkung des Appells entfaltet werden.