Von Moritz Küffner
Experte für kooperative Kommunikation

Achtung: Ansteckend!

Durch mentale Entwicklung dem Wandel in der Welt auf Augenhöhe begegnen

VUCA also. Volatile. Uncertain. Complex. Ambiguous. (1)
So soll sie aussehen, unsere schöne neue globalisierte, digitalisierte und automatisierte Welt. Und wir mitten drin – dabei ticken wir natürlich immer noch individuell, analog und menschlich. Das kann ja heiter werden! – Wird es auch, solange man sich selbst treu bleibt und zugleich etwas tut, was Mann & Frau vielleicht erstmals bewusst tun dürfen: In die eigenen mentalen Kapazitäten investieren!

Warum das notwendig ist? Weil wir „langsam“ gesellschaftlich und individuell die Not wenden sollten, wenn wir nicht in Burnout & Depression, Fettleibigkeit & Unterernährung, Wohlstandsmüll & Nahrungsverseuchung, Altersarmut & Kinderprekariat, schlechter Atemluft & Abgasskandalen, Ressourcen-Kriegen & Gegenterror, Machtkonzentration & sozialer Verelendung, Jobverlust & sozialem Abstieg verblühen wollen.

Annäherung durch Wandel

Das Not-Wendige tun hat zum Glück Tradition – und Jubiläum: Vor exakt 500 Jahren war es Martin Luther, der deutlich erkannte, es wird Zeit, in die mentalen Kapazitäten der Menschen zu investieren. Wie? Durch das mutige Hinterfragen bisheriger Annahmen, durch Transparenz und ein besseres Verständnis von Zusammenhängen. Damit Hand in Hand gehen neues Denken und Handeln zum Wohle aller, anstatt – wie damals üblich – die Bereicherung einiger weniger Privilegierter.

NewWork heißt ein gut gemeinter Versuch, sich diesem Wandel, zumindest in der Arbeitswelt, anzunähern. Geprägt wurde dieser Begriff von dem Sozialphilosophen Frithjof Bergmann, der von der Untersuchung des Freiheitsbegriffs ausging. Freiheit ist in seinen Augen nicht die sogenannte Wahlfreiheit zwischen zwei Alternativen, die, je nach Standpunkt, Vor- und Nachteile in sich vereinen; zuletzt beispielsweise bei den Präsidentschaftswahlen in USA (Clinton versus Trump), Österreich (Hofer versus van der Bellen) und Frankreich (Macron versus le Pen). Freiheit bedeutet für ihn die Möglichkeit, etwas wirklich Wichtiges zu tun, im Sinne einer echten Handlungsfreiheit. Laut Wikipedia sind die zentralen Werte der Neuen Arbeit: Selbstständigkeit, Freiheit und Teilhabe an Gemeinschaft. (2)

„In unserer Zeit herrscht ein schrecklicher Aberglaube, er besteht darin, dass wir begeistert jede Erfindung aufgreifen, welche die Arbeit erleichtert, und glauben, sie unbedingt nutzen zu müssen, ohne uns die Frage vorzulegen, ob diese die Arbeit erleichternde Erfindung unser Glück vermehrt oder vielleicht Schönheit zerstört.“

Leo Nikolajewitsch Graf Tolstoi

NewWork die Lösung?

Der Psychologe Markus Väth hat sich ebenfalls mit dem Konzept des NewWork befasst und ergänzt, NewWork wolle...

  • Menschen eine berufliche Entfaltung entlang ihrer Stärken und Bedürfnisse ermöglichen.
  • Organisationen an die Bedingungen einer komplexen (Arbeits-)Welt anpassen.
  • in der Gesellschaft auf einen maßvollen Kapitalismus hinarbeiten. (3)


Alles fromme Wünsche und gute Absichten. Zugleich stellt sich die Frage, wie das gelingen kann. Wie können und dürfen die nächsten Schritte aussehen? Wie wird – der von uns häufig bis hin zu Exzessen begeistert betriebene – Kapitalismus maßvoll?

Die Antworten auf diese zugrundeliegenden Fragen blieben auch am 30. März 2017 in Berlin offen. Der Netzwerkanbieter XING hatte zur „NewWork-Experience“ geladen, zu der sich 80 Experten und Vortragende gemeinsam mit circa 1.000 Interessierten trafen, um das Thema NewWork von unterschiedlichen Seiten zu beleuchten. Was dabei zu kurz kam, waren die entsprechenden Soft-Skills, die jeder selbst entwickeln darf, um sich in der VUCA-Welt zurecht zu finden, sich mit sich selbst wohl zu fühlen und das künftige Wohlsein für alle mitgestalten zu können.

Komplexitätsreduktion durch Kooperative Kommunikation

Diese vermutlich zwingend erforderlichen Fähigkeiten, um den Wandel ohne Ausfälle und Totalschäden vollziehen zu können, bietet dafür ein noch recht unbekanntes Prinzip: Das Prinzip der Kooperativen Kommunikation (kokomm).

Es ist ein kraftvolles und umfassendes Prinzip, das die Komplexität der Zusammenhänge einfach werden lässt, so dass jeder Anwender in die Lage versetzt wird, sich nachhaltige Lösungswege und sinnvolles Handeln selbst zu erschließen. Interessanterweise hat die Kooperative Kommunikation einige Gemeinsam- und Ähnlichkeiten mit inzwischen bekannt gewordenen agilen Methoden (4). Diese Methoden – oder genauer gesagt Prinzipien (lat. agilis = flink, beweglich) – wurden zunächst im Rahmen effizienter Softwareentwicklung eingeführt, um „durch Abbau der Bürokratie und durch die stärkere Berücksichtigung der menschlichen Aspekte“ (5)bessere Entwicklungs-Ergebnisse zu erzielen. Inzwischen finden agile Prinzipien auch Eingang in generelle Arbeits- und Teamprozesse innerhalb der Unternehmen. Dies kann als Hinweis gesehen werden, wie wertvoll die – durch kooperatives Denken entwickelte – mentale Flexibilität für ein menschliches Zurechtfinden & Wohlfühlen in einer VUCA-Welt ist.

Die kokomm bietet gemeinsam mit der Fähigkeit des kooperativen Denkens vielleicht den besten Weg in die neue Welt der Arbeit. Sie setzt nicht nur beim Menschen an, sondern hilft vor allem, die benötigten mentalen Kapazitäten zu entwickeln. Darüber hinaus bietet sie auch Denkwerkzeuge und Handlungsempfehlungen für komplexe zwischenmenschliche (Arbeits-)Situationen an.

Fazit: Wir müssen diese neue Welt mit ihren ungewohnten Anforderungen verstehen, anstatt sie zu analysieren. Dieses Verstehen gelingt uns umso besser, je bewusster wir unsere mentalen Kapazitäten entwickeln. Egal, ob durch Seminare, Workshops, Vorträge, Sach- oder Hörbücher, Coachings und andere Aufschlau-Angebote. Im Kern erweiterter persönlicher Fähigkeiten steht immer der Austausch mit anderen Menschen, die uns helfen und unterstützen, etwas mehr über unsere eigenen Fähigkeiten zu erfahren.

Quellen und weiterführende Literatur:

(1) https://en.wikipedia.org/wiki/Volatility,_uncertainty,_complexity_and_ambiguity und http://www.vuca-welt.de

Die vier Begriffe volatile, uncertain, complex und ambiguous stehen für volatil, ungewiss, komplex und mehrdeutig.

(2) https://de.wikipedia.org/wiki/New_Work

(3) vgl. Markus Väth auf dem Erdinger Coaching-Kongress 16.-17. Februar 2017

(4) http://2016.agiletuesday.org/content/nachlese-das-kokomm-prinzip-denksport-kooperation

(5) https://de.wikipedia.org/wiki/Agile_Softwareentwicklung

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