Gewinner machen Siegerposen - und umgekehrt?
Embodiment

Achtung: Ansteckend!

Warum allein die Siegerpose aus Ihnen einen Gewinner macht – nach innen und außen

Der Teilnehmer des Rhetorikseminars steht im dritten Durchgang seines Vortrags schon sehr viel souveräner auf der Bühne, die Kamera hält seine natürlich wirkenden Körperbewegungen fest: Geöffnete, einladende Handhaltung, „geerdeter“ Stand, aufrechte und trotzdem entspannte Körperhaltung, hier und da ein paar Schritte nach rechts und links, um auch andere Perspektiven einnehmen zu können. Rundum schon sehr viel authentischer und sowohl zum Inhalt als auch der Situation passend, in der die Präsentation final gehalten werden soll. Was ist passiert? Im Verlauf des Seminars ist dem Teilnehmer mehr und mehr bewusst geworden, wie er seine Bühnenperformance und damit die Wirkung auf seine Zuschauer durch den gezielten Einsatz seiner Körpersprache unterstreichen kann: Unser Körper hat Einfluss auf unsere Psyche und damit auf unsere Wirkung – sowohl nach innen als auch nach außen.

Dass unsere psychische Verfassung großen Einfluss auf unseren Körper hat, ist hinlänglich bekannt. Selbst in unserer Alltagssprache finden sich viele Beispiele dafür: Werden wir von unserm Chef für gute Arbeit gelobt, „wachsen“ wir. Sind wir von einer Idee voll überzeugt, können wir dazu „stehen“, ein generell „aufrechter“ Mensch sein. Wird der Druck im Job sehr groß, arbeiten wir uns „krumm und bucklig“. Vor Trauer sind wir „geknickt“ und so fort. Allerdings steht unser Körper mit unserer Psyche in beiden Richtungen in Wechselwirkung. Somit hat auch unsere Körperhaltung Einfluss auf unsere eigene Psyche – das wissen die Wenigsten.

Wenn ich mich freue, gehen die Mundwinkel nach oben – ganz klar :) Aber es geht auch andersherum :(

Wenn Sie morgens mal mit nicht ganz so guter Laune aufwachen, probieren Sie’s aus: Lächeln Sie zwei Minuten intensiv vor sich hin und Sie werden es erleben: Ihre Laune wird sich deutlich verbessern! Warum? Ganz einfach: Unser Hirn bekommt das Signal, dass die Mundwinkel oben sind – ergo müssen wir anscheinend fröhlich sein – und siehe da... ;)

Bodyfeedback heißt der Vorgang in der psychologischen Fachsprache. Man versteht darunter die Rückmeldeprozesse, die unsere Psyche aus dem Körper bekommt.

Sehr viel komplexere Versuche machten hierzu John Riskind und Carolyn Gotay [1]. In einer komplizierten Versuchsanordnung gaben sie Testpersonen vor, an einem Versuch zum räumlichen Vorstellungsvermögen teilzunehmen. In einer Pause zwischen den Tests wurden die Probanden dann – wie zufällig von weiteren Wissenschaftlern um die Teilnahme an einem anderen kurzen Test gebeten, bevor es wieder zum eigentlichen Aufbau zurückging. Entscheidend war dabei, dass sie während dieses eingeschobenen Versuchs acht Minuten regungslos in einer Körperhaltung verharren mussten; die eine Hälfte sehr gekrümmt, die andere aufrecht.

 

Mit mehreren Kabeln an Genick und Handgelenken, die mit einer gigantisch anmutenden Testapparatur verbunden war, kam keiner auf die Idee, diese Messung in Zweifel zu ziehen. Zurückgekehrt im „eigentlichen“ Test galt es dann, ein Puzzle zu lösen, welches jedoch unlösbar war. Das spannende Ergebnis: Die vorher aufrecht Gesessenen hielten fast doppelt so lange durch, wie die vorher „Gekrümmten“!

 

Riskind und Gotay konnten so erstmals einen signifikanten Zusammenhang zwischen Körperhaltung und Emotionen nachweisen. Die niedergedrückte Position führte ihrer Einschätzung nach zu einer psychischen Präkonditionierung im Sinne von Depression, beziehungsweise Mutlosigkeit, was sich dann in schnellerem Resignieren bei der unlösbaren Aufgabe niederschlug.

Körpersprache ist keine Einbahnstraße
Körpersprache ist keine Einbahnstraße

Aber es kommt noch besser: In einer anderen Testreihe erweiterten Gary Wells und Richard Petty diese Ergebnisse noch um den Faktor der Körperbewegungen. Sie ließen drei Testgruppen Kopfhörer auf Tragekomfort und Akustik bewerten. Eine Gruppe verharrte regungslos (als Kontrollgruppe), eine agierte kopfnickend und eine kopfschüttelnd. Anschließend wurden die drei Gruppen, die allesamt das Gleiche zu hören bekommen hatten, zu einem Thema befragt, welches mit dem gehörten Inhalt in Verbindung stand und siehe da: Während die Testpersonen, welche vorher sechs Minuten kopfschüttelnd dagesessen hatten, sich sehr kritisch zum Thema äußerten, war die „Kopfnick-Gruppe“ mit ihrer durch bejahendes Bodyfeedback erzeugten Stimmung dem Thema gegenüber äußerst positiv eingestellt: In diesem Falle der Erhöhung der Studiengebühren an ihrer Hochschule! Die Kontrollgruppe zeigte keinerlei Veränderung der Emotionen.

 

Was nutzen uns diese Erkenntnisse im Alltag?

Nun: Bewusster Einsatz unserer Haltemuskulatur kann – wie Riskind und Gotay nachgewiesen haben – zur Beeinflussung unserer Emotionen führen. Ebenso kann unsere Bewegung Einfluss auf unsere Stimmung nehmen. Diese Tatsache können wir uns im Alltag zu Nutze machen, indem wir explizit auf unsere Körpermuskulatur und unsere Bewegung achten!

Wenn alleine acht Minuten gekrümmtes Sitzen für schnelleres Aufgeben sorgen – was machen dann acht Stunden ergonomisch oft fragwürdige Schreibtischarbeit an fünf Tagen der Woche mit großen Teilen der arbeitenden Bevölkerung?

Nicht nur unser Umfeld dankt es uns, wenn wir öfter die Mundwinkel oben tragen – wir selbst profitieren auch davon! Bei schwierigen Telefonaten etwa stehen Sie auf! Sie sind damit automatisch größer und damit voraussichtlich dem Gesprächspartner überlegen (kabellos lassen sich noch dazu leichter andere Standpunkte und damit auch andere Blickwinkel einnehmen). Wenn Sie Herausforderungen zu bewältigen haben, achten Sie ganz bewusst auf eine aufrechte Haltung. Ihr Bodyfeedback wird Ihnen dabei helfen, diese mit mehr Freude und Leichtigkeit zu meistern!

 

So wie Thorsten Havener, der berühmte „Gedankenleser“ und Körpersprache-Profi. Er nimmt im Backstagebereich vor seinem Auftritt auf der Bühne die Siegerpose ein und streckt beide Arme mehrere Minuten nach oben, als hätte er bereits gewonnen. Dank dem Phänomen des Bodyfeedbacks betritt er so bereits als Sieger die Bühne...

Quellen und weiterführende Literatur:

[1] Die Tests von Riskind & Gotay sowie von Wells & Petty sind ausführlich beschrieben im Buch Embodiment. Die Wechselwirkung von Körper und Psyche verstehen und nutzen – Herausgeber: Maja Storch, Benita Cantieni, Gerald Hüther und Wolfgang Tschacher. 2. Auflage. Bern, 2010.

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