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Beitrag von Constanze Fürst

Führungspersönlichkeit 4.0

Ein Interview über den Weg zur Führungspersönlichkeit

Hervorragende Führungskräfte inspirieren. Sie motivieren Menschen in ihrer Umgebung. Sie erzielen Erfolge. Was brauchen Führungskräfte von morgen in ihrer persönlichen Entwicklung?

Wer sich wirklich kennt, weiß nicht nur, sich selbst zu führen, sondern auch seine MitarbeiterInnen. Insights Discovery® hat sich zum Ziel gesetzt, »Menschen zu den besten Führungskräften zu machen, die sie sein können«.

Dazu wertet das Modell Verhaltenspräferenzen aus, mit deren Hilfe der persönliche Führungsstil eines Menschen erforscht und effektiver gestaltet werden kann.

Mit Nicole Starrmann, zertifizierte Insights Discovery® Trainerin bei mensch und kommunikation, haben wir uns über das Zusammenwirken von Führung und Persönlichkeit unterhalten.

Nicole, gleich zum Eingemachten. Was zeichnet Führungspersönlichkeiten aus?

Führungspersönlichkeiten zeichnen sich durch eine innere Passion, Interesse an Menschen und den Inhalten ihrer Arbeit aus. Sie legen Wert auf ihre eigene Entwicklung. Führungspersönlichkeiten sind mehr als nur Führungskraft per Titel.

Ersetzen Führungspersönlichkeiten zukünftig die „Führungskraft per Titel“?

Ja. Der aktuelle Zeitgeist in Unternehmen tendiert dazu, klassische Führungskräfte nach und nach zu reduzieren. In manchen Unternehmen werden Hierarchien sogar ganz abgeschafft. Im Zuge der Abschaffung dieses klassischen Hierarchiegebäudes werden echte Führungspersönlichkeiten immer präsenter.

Das heißt Menschen, die neben fachlicher Expertise viele innere Führungsqualitäten besitzen?

Genau die kommen zum Vorschein. Denn bei flachen Hierarchien legitimiert die zu führende Gruppe selbst, wer führt. Unternehmen können davon profitieren. Mehr Selbstregulierung bedeutet auch weniger Verschwendung durch künstlich aufgebaute Organigramme. Auch wenn viele dabei vielleicht an eine bunte Blumenwiese denken mögen. Das Gegenteil ist der Fall. Die Legitimation zum Führen muss immer wieder neu erworben und verdient werden. Selbstregulierung ist eine Chance, aber kein Kinderspiel.

Du arbeitest mit einem Persönlichkeitsmodell namens Insights Discovery®. Wie kann Führungsverhalten damit verbessert werden?

Insights Discovery® verbessert stark die Selbst- und Fremdwahrnehmung und sensibilisiert für Andersartigkeit. Menschen lernen, unterschiedliche Verhaltensweisen besser zu verstehen. Aus so einem tieferen Verständnis ergeben sich für Führungspersonen viel mehr Handlungsmöglichkeiten.

Hast Du ein konkretes Beispiel dafür?

Ja. Nehmen wir mal einen sehr analytischen und introvertierten Kopfmenschen mit einem sehr guten Zahlengedächtnis. Ein Experte in seinem Fachgebiet, aber weniger der kontaktfreudige und spontane Netzwerker. Für diesen Menschen macht es wahrscheinlich weniger Sinn, seine Mitarbeiter als extravertierter Motivator mit spontanen Reden zu begeistern.

Was wäre sinnvoller?

Wichtig ist, bei den Stärken der Führungsperson anzusetzen. Nur so kann man als authentische Führungspersönlichkeit Wirkung erzielen. In diesem konkreten Fall wäre es also viel hilfreicher, durch eine hohe Detailorientierung, analytisches Geschick und ein gutes Verständnis von Logik zu punkten. Das Führen über tiefgründige Planung ist genauso wichtig wie andere Führungsqualitäten.

Womit wir bei einer zentralen Frage wären: Gibt es Verhaltensprofile, die für eine Führungsposition ungeeignet sind?

Nein. Grundsätzlich ist man mit jeder Verhaltenskombination in der Lage, gut zu führen. Genauso wie man nicht pauschal sagen kann, ob Männer oder Frauen besser führen. Optimal wäre es, wenn es in der Führung viel mehr Zusammenarbeit gäbe. Im Sinne von Führungstandems und anders denkenden Sparringpartnern.

Eine Doppelspitze aus Introversion & Extraversion zum Beispiel?

Warum nicht? Mit Insights Discovery® merkt man, dass die Welt bunter ist als gedacht.

Dafür ist ein Umdenken nötig.

Ja, und Transparenz im Umgang mit Stärken und Entwicklungsfeldern. Es braucht natürlich Zeit und intensive Motivation, sich neben den alltäglichen Dingen mit dem eigenen Führungsverhalten auseinanderzusetzen. Wer seine Stärken und Schwächen offen ansprechen kann, wird meist auch sehr dafür geschätzt. Transparenz und achtsame Kommunikation führen zu Toleranz.

Wie könnte so ein Führungstandem aussehen?

Wer sich einen Partner ins Boot holt, der andere Verhaltenspräferenzen mitbringt, der kann seine eigenen Stärken voll ausspielen. Ohne Defizitorientierung, ohne sich ständig selbst an seinen Schwächen zu messen oder messen zu lassen. Wenn der Führungsstil eines Menschen zum Beispiel sehr auf Wertschätzung, Verständnis und Konsensentscheidungen ausgerichtet ist, kann es sein, dass damit eine klare Kommunikation, schnelle Entscheidungen und Mut zum Risiko auf der Strecke bleiben. Kooperation ist ein Schlüssel für ganzheitlichen Erfolg.

Auf was gilt es als Führungspersönlichkeit im Umgang mit MitarbeiterInnen zu achten?

Dazu können wir das Beispiel von vorhin einfach umdrehen. Hat eine extravertierte Führungsperson einen introvertierten Mitarbeiter kann es hilfreich sein, Termine und wichtige Dinge im Voraus schriftlich zu kommunizieren. Anstatt ihn spontan im Büro zu besuchen. Es geht also darum, die Fremdwahrnehmung zu schulen. Und Mitarbeiter als Menschen mit unterschiedlichen Präferenzen zu sehen und sich dementsprechend zu verhalten.

Was unterscheidet eine gute von einer hervorragenden Führungspersönlichkeit?

Hervorragende Führungspersönlichkeiten machen einen echten positiven Unterschied. Sie wissen genau, wie sie ihre Mitarbeiter individuell fördern und inspirieren können. Hervorragende Führungspersönlichkeiten leben das, wovon sie sprechen. Bei ihnen ist Führung kein Job, sondern in ihre DNA übergegangen…

… ich höre, da kommt noch mehr :-)

Hervorragende Führungskräfte sind immer auf der Suche nach Verbesserungen, um ihre Mannschaft zu einer High-Performance-Mannschaft zu machen. Dabei gehen sie oft unbetretene Pfade, hören selbst nie auf zu wachsen und geben nicht auf, wenn es mal schwierig wird. Führung ist eine Kunst. Es gibt hier kein Patentrezept. Das, was bei einem Mitarbeiter gut klappt, muss noch lange nicht bei anderen Mitarbeitern funktionieren. Hervorragende Führungspersönlichkeiten wissen das.

Und…

…sie verstehen noch etwas sehr gut. Das ist vielleicht sogar am wichtigsten. Sie wissen, Menschen in ihrem Inneren zu berühren. Ganz nach Antoine de Saint-Exupéry: Wenn du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre sie die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer.

Wie lautet Dein wichtigster Satz zur persönlichen Entwicklung?

»Um Menschen zu beeinflussen, ist Beispiel nicht das wichtigste Mittel. Es ist das einzige.«

Das Zitat stammt von Albert Schweitzer.

Vielen Dank für das Gespräch!

Steckbrief

Nicole Starrmann lässt eine Frage seit ihrer Jugend nicht mehr los: Warum verhalten wir Menschen und so, wie wir uns verhalten? Nicole studierte zunächst Europäische Betriebswirtschaftslehre. Nach ihrem Master in Human Ressource Management und der Akkreditierung zum Insights Discovery® Practitioner folgten Tätigkeiten als Trainerin, Beraterin und Coach. Im Team von mensch & kommunikation ist sie unsere Expertin für die Themen Persönlichkeitsprofile und Persönlichkeitsentwicklung im Unternehmenskontext.

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