Gesunde Kommunikation, gesundes Leben
Kommunikation & Gesundheit

Gesunde Kommunikation, gesundes Leben!

Wie Sie Ihren Alltag 2017 mit guter Kommunikation positiv beeinflussen

„Ich möchte Euch einladen, 2017 etwas anders zu machen, um mehr Leichtigkeit und mehr Kraft zu haben“. So lautete das Eröffnungsangebot von Moritz Küffner bei seinem diesjährigen Vortrag anlässlich des gemeinsamen Neujahrs-Get-Togethers mit der mensch & kommunikation GmbH im Münchener Hansa-Haus am 13. Januar 2017. Für ihn selbst hatte dieser Weg vor Jahren begonnen, als eine irreparabel diagnostizierte Sportinvalidität ihn zum Umdenken bewog. Heute plädiert er DAFÜR. Wofür? Auf Basis von Psychoneuroimmunologie und Selbstheilungspotenzialen individuelle Chancen zu erkennen und mittels einer kooperativen Kommunikation zu einer positiven inneren Haltung zu gelangen.

Doch von Anfang an: Grundlage des Vortrags von Küffner ist die Erkenntnis über die zwei Ebenen von Gesundheit, die Prof. Dr. Joachim Bauer in seinem Buch Selbststeuerung aufzeigt: Da ist zunächst die körperliche Ebene, bei der es um einen gesunden Lebensstil geht. Von uns allen gekannt als die Prozesse, die etwa durch Ernährung, Bewegung und Schlaf beeinflussbar sind. Daneben steht die Ebene der inneren Grundhaltung, die sich um ein gutes Selbstgefühl, um Vertrauen in die eigenen (Selbst-)Kräfte und inneren Mut dreht.

 

Selbstheilungspotenziale und Psychoneuroimmunologie

In Folge der unerwarteten Diagnose der Sportuntauglichkeit veränderte sich der damalige Sportwissenschaftler Moritz Küffner hin zum Kommunikationswissenschaftler und entwickelte damals eine umfassende Neugier auf Selbstheilungsprozesse des Körpers – erstaunlicherweise löste sich so die Prognose der Ärzte in Wohlgefallen auf; heute treibt er wieder Sport! Damals kam die Idee von der Selbstheilung durch eine umfassendere Betrachtungsweise des Symptoms noch fast einer „Verschwörungstheorie“ gleich. Heute werden solche Phänomene u.a. von einem relativ neuen Fachgebiet erforscht: der Psychoneuroimmunologie (PNI). Sie ist ein interdisziplinäres Forschungsgebiet, welches Wechselwirkungen der Psyche, des Nervensystems und des Immunsystems untersucht.

 

Gesundheit vergeht und entsteht – sekündlich

Dass Gesundheit nichts Statisches ist, sondern unsere 100 Billionen (!) Körperzellen sekündlich in unbewussten Vergehens- und Entstehensprozessen involviert sind, das brachte Küffner zu der Erkenntnis:

 

Gesundheit ist ein dynamisches Gleichgewicht, das wir grundsätzlich immer wieder herstellen können.

 

Daneben gilt ebenfalls die Erkenntnis, Gesundheit ist ein Bereich, der sich zu großen Teilen unserem Bewusstsein entzieht.

Die spannende Frage lautet: Was führt dann dazu, dass sich die Zellen innerhalb unseres Organismus immer wieder neu und störungsfrei erschaffen können? Die von Küffner präferierte Antwort: Im Kern ist Kommunikation dafür verantwortlich!

 

Kommunikation, die zu Biologie und Chemie wird.

„Communicatio“ stammt aus dem Lateinischen und meint „Mitteilung“. Reflexartig bringen wir damit meist die rein verbale Kommunikation in Verbindung, also den Austausch unter Mitmenschen mittels Sprache. Allerdings spielt in unserem Körper die non-verbale Variante eine weitaus entscheidendere Rolle, bei der zwischen Zellen und Organen durch die Ausschüttung von Hormonen oder dem Auftreten von Konzentrationsgefällen bestimmter Stoffe „Mitteilungen ausgetauscht“ werden.

 

Der Wert dieser Kommunikation kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Davon ist der Neurobiologe, Arzt und Psychotherapeut Prof. Dr. med. Joachim Bauer überzeugt: „Der Grundirrtum besteht in der Annahme, Lebewesen seien biologische Maschinen. Dabei wird übersehen, dass alle lebenden Systeme anders als Maschinen mit ihrer Außenwelt ständig aktiv kommunizieren und dass ihr Wohl und Wehe vom Gelingen dieser Kommunikation abhängt.“ Gleichzeitig scheint eine enge Verbindung zur verbalen Kommunikation zu bestehen: „Tatsächlich kann das, was Menschen mit anderen kommunizieren, durchschlagende Wirkungen auf die Biologie des jeweiligen Kommunikationspartners entfalten.“ [2]

Moritz Küffner beim Vortrag am 13.01.2017
Moritz Küffner beim Vortrag

Gesundheit? Ansichtssache!

Um diese Kommunikation aus einer anderen Haltung heraus – und somit besser – führen zu können, führt Küffner zwei weitere Begriffe ein: Pathogenese iVm Salutogenese. Beide gehören im Grunde zusammen. Während die Pathogenese die Entstehung und Entwicklung von Leid oder Krankheit beschreibt, steht die Salutogenese für ein Konzept, nachdem bestimmte Faktoren zur Entstehung und Erhaltung von Gesundheit und Wohlergehen beitragen. Das Konzept geht auf den Medizinsoziologen Aaron Antonovsky zurück, welcher u.a. als Widerstandsquellen des Individuums folgende Faktoren erforschte: Immunsystem, Intelligenz, Bildung, Bewältigungsstrategien, Ich-Stärke, kulturelle Stabilität und Reichtum. [3] Demnach ist Gesundheit nicht als Zustand, sondern als Prozess zu verstehen.

 

Moritz Küffner macht deutlich, dass die klassische westliche Medizin eine wichtige zivilisatorische Errungenschaft darstellt, die zusätzlich meist pathogen geprägt ist. In der Praxis meint das zum Beispiel: Ein Mensch geht mit einem Problem zum Arzt, dieser diagnostiziert eine Krankheit und richtet die Therapie an den Symptomen aus. Vereinfacht ausgedrückt, wenn man krank ist, benötigt man Medizin – gegen Fieber helfen Wadenwickel und Aspirin. Außer Acht gelassen wird in dieser Herangehensweise das salutogene Denken, also die Überlegung: Was kann ich (vorab) tun, damit ich kein Fieber bekomme? Regelmäßig Sport? Vernünftige Ernährung? Wöchentlicher Saunabesuch? Salutogenes Denken nimmt – anders als das pathogene – nicht einen unangenehmen Endzustand (Krankheit) als Anlass, um aktiv zu werden. Es setzt deutlich früher an, mit dem Ziel, von Beginn an die Weichen in die gewünschte Richtung zu stellen. Küffner plädiert dafür, diese Einstellung vermehrt in den Alltag zu holen, um so Veränderungen im privaten und beruflichen Umfeld zu erzielen.

 

Als Beispiel für den unvorteilhaften und ggf. krankmachenden Stress der entsteht, wenn ich mich gegen-etwas-stelle, benennt er die Phänomene Pegida, AfD, Putin, Trump, IS oder auch Terror allgemein. In Verbindung mit diesen Begriffen und Erscheinungen kam es 2016 sehr häufig zu Gegnerschaft, Ablehnung und manchmal auch Verwünschungen. Nach dem Motto: Das darf nicht sein! Ich bin dagegen! („Dagegner“)

 

Als weitaus gesündere innere Haltung empfiehlt Küffner alternativ das:

 

DAFÜR

 

also eine Haltung, die sich löst aus dem reflexartigen Bekämpfen, und dafür überlegt „Was tut mir gut“, „Wofür bin ich 2017?“, anstatt „Wogegen stelle ich mich?“ oder „Was bekämpfe ich?“.

Interessierte Zuhörer beim Vortrag am 13.01.2017
Dem Referenten über die Schulter geblickt

Als Akronym bietet der Kommunikationsprofi für „das DAFÜR-Sein“ augenzwinkernd folgende Begriffe an (rückwärts aufgerollt):

 

R uhepausen

Immer wieder einzelne Tage 2017 nur für mich frei nehmen! Wochenenden mal bewusst komplett freihalten. Endlich Zeit für mich. Pur.

Lächelnd Freude

Bewusst etwa in Öffentlichen Verkehrsmitteln oder dort, wo ich mich gerade befinde, innehalten und Freude entstehen lassen! Über den Tag verteilt Momente der Freude kultivieren – je geübter man ist, desto „ganz ohne äußeren Anlass“ wird es möglich...

F amiliäre Beziehungen

Begegnungen zu Bindungen ausbauen, die als „familiär“ gelten können. Dabei beachten: Lob & Komplimente müssen mindestens 15 Sekunden dauern, um anzukommen. Kritik dagegen kommt sofort an!

A kzeptanz

Anstatt mich dagegen zu stellen: Die Realität anerkennen, ohne sie gut finden zu müssen. Wie kann ich Dinge, die in meinem Alltag geschehen, so nehmen, wie sie sind? Mit Akzeptanz! Toleranz = duldende Grundhaltung. Ich habe es schon verurteilt und halte es jetzt aus. Akzeptanz = nichtwertende Haltung anlässlich einer sich ereignenden Wirklichkeit

D ankbarkeit

Einer der wichtigsten Werte hoher Lebensqualität. Es gilt auch die vermeintlich unspektakulären, kleinen Dinge des Alltags bewusst als Unterstützung wahrzunehmen und dafür dankbar zu sein. Ein Dankbarkeits-Tages- oder Wochenbuch ist eine kraftvolle Möglichkeit, Dankbarkeit zu kultivieren. Abschließender Appell von Moritz Küffner: Tragt das Dafür-Sein, Eure gute Laune und Euer Leuchten im neuen Jahr weiter!

 

Und seid Euch bewusst:

Du kannst nicht gesund werden, wenn Du alles genauso machst, wie bisher.

 

Anmerkung:

Zwischenmenschliche Kommunikation ist nicht heiße Luft, sondern neben den Interventionen der evidenzbasierten Medizin ein entscheidender Heilfaktor.“ [4]

Quellen:

[1] Bauer, Joachim: Selbststeuerung. Die Wiederentdeckung des freien Willens. 6. Auflage. München, 2015.

[2] ebda. S. 115. Hervorhebung durch den Autor dieses Beitrags

[3] Antonovsky, A. (1997). Salutogenese – Zur Entmystifizierung der Gesundheit. Deutsche erweiterte Ausgabe von Alexa Franke, Tübingen: DGVT, S. 44; (engl. Erstausgabe: Antonovsky, A., Unraveling the mystery of health. How people manage stress and stay well. San Francisco: Jossey-Bass, 1987.

[4] ebda., S. 119

Weiterführende Tipps:

Nicole Stern: Das Muße-Prinzip. Wie wir wirklich im Jetzt ankommen. München 2016.
http://www.nicolestern.de

 

Fed up. Du bist, was Du isst“ (2015), eine Dokumentation mit Bill Clinton, Oprah Winfrey u.a. zum Thema „Fettleibigkeit unter Kindern“ und wie Verbraucher über gesunde Ernährung getäuscht werden. Erhältlich auf DVD

 

Requiem for the American Dream“ (2015), eine horizontweitende Dokumentation mit Noam Chomsky über größere gesellschaftliche Zusammenhänge und Politik des letzten halben Jahrhunderts, z.B. auf Netflix oder iTunes

 

Hannerose Mattes: Selbsterfahrung und Salutogenese - Eine Evaluationsstudie. Diese Doktorarbeit aus dem Jahr 2009 liefert tiefere Erkenntnisse über Gesundheit & Krankheit. Auf Anfrage wird sie von der Autorin zur Verfügung gestellt (zukunft@hannerose-mattes.de)
http://www.unternehmen-mensch-zukunft.de/vita.html

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