Kommunikation
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Gut gemeint und nichts gesagt?

Störer und Förderer der Kommunikation. Sechs Tipps für ein erfolgreiches Gespräch.

Stellen Sie sich folgende Situation vor: Sie treffen einen Kollegen auf dem Gang und werfen ihm beim Vorbeigehen einen Kommentar zu seiner letzten Präsentation zu. Was von Ihnen als harmlose Stellungnahme gemeint war, ruft bei Ihrem Gegenüber blanke Wut hervor. Rot schäumend baut er sich vor Ihnen auf. In einem anderen Szenario erstarrt sein Blick und er sticht kommentarlos davon. Sie wundern sich in beiden Fällen: „Warum, ich habe doch gar nichts gesagt?“

Haben Sie wirklich „gar nichts“ gesagt? Oder habe Sie es eher nicht so gemeint, wie es beim Gegenüber offensichtlich ankam? Meist ist es Letzteres. Die eigenen Worte haben oft eine größere Wirkung bei unseren Gesprächspartnern, als wir beabsichtigen.

 

Lassen Sie uns einen genauen Blick auf diese Worte werfen. Was sind die sechs größten Störer und Förderer der zwischenmenschlichen Kommunikation?

 

Störer der Kommunikation:

 

 

Bewerten

„Der Entwurf ist nicht gut.“ – Die Bewertungskeule ist schnell geschwungen. Man findet etwas oder jemanden „gut“ oder „schlecht“. Um Dinge schnell einordnen zu können, kann das manchmal auch nicht schaden. Schnelles Bewerten führt allerdings häufig zu einem raschen „Schubladendenken“. Und dadurch fühlt sich unser Gegenüber angegriffen. Um das zu vermeiden, lassen Sie Bewertungen weg.

 

Tipp: Wenn Sie trotzdem das Gefühl haben, etwas bewerten zu müssen, dann formulieren Sie es aus Ihrer Sicht, nicht als feststehende Tatsache und fügen Sie eine Begründung hinzu. „Ich fand den Entwurf aus meiner Sicht nicht gut, da die Kunden bereits angemerkt hatten, dass sie keinen hellen Laminat-Boden haben möchten.“ 

 

Ja, aber…

„Die Kunden waren sehr zufrieden mit meinem Entwurf“, „Ja, aber wir müssen das Konzept beim nächste Mal schneller fertig haben.“ Zwei Aussagen, zwei Meinungen – so scheint es zumindest. Durch das Ja wird zwar die Tür der Zustimmung geöffnet, durch das aber allerdings sofort wieder zugeschlagen. Das aber bewirkt ein Negieren oder Entkräften des vorherigen Satzes durch ein implizites „entweder oder“ und somit einen Ausschluss des bereits Gesagten. Und: Ein aber klingt häufig nach Kritik: „Sie haben gute Arbeit geleistet, aber das nächste Mal muss es noch besser sein.“ – Die Arbeit war also doch nicht so gut?

 

Tipp: Ersetzen Sie das aber durch ein und. „Die Kunden waren sehr zufrieden mit meinem Entwurf“, „Ja, und gleichzeitig müssen wir das Konzept beim nächste Mal etwas schneller fertig haben“.

 

Verallgemeinerungen

„Sie brauchen immer zu lange für die Entwürfe.“ Mittels Verallgemeinerungen wie immer wird Ihr Gegenüber auf eine bestimmte Sache festgelegt. Was aber, wenn der andere eine abweichende Sicht der Dinge hat? Was, wenn er sich durch diese Aussage nicht gesehen fühlt? Die Einen resignieren und verstummen. Die Anderen werden in eine Verteidigungshaltung gedrängt und es kommt fast unweigerlich zum Streit. Wie schon im Absatz „Bewertungen“ liegt das Problem in der Unumstößlichkeit Ihrer Aussage. Was soll Ihr Gesprächspartner auch antworten, wenn es eh immer so ist? Welche Argumente bleiben ihm, wo die Diskussion schon von vorne herein beendet scheint?

 

Tipp: Wenn Sie es nicht ganz weglassen wollen oder können, dann ersetzen Sie das immer durch ein oft oder häufig – klingt nicht revolutionär, ist aber sehr wirkungsvoll.

 

Förderer der Kommunikation:

 

 

Konkrete Kommunikation

Oftmals denken wir, dass wir einen bestimmten Sachverhalt schon mehr als klar ausgedrückt haben. Wie kann es da zu Missverständnissen kommen? „Ich melde mich bald bei Ihnen mit meinem Feedback.“ Für den einen ist bald heute für den anderen möglicherweise erst in zwei Wochen. So liegen zwischen meinem gesagten und dem vom anderen interpretierten Wort Welten; das kann zum Beispiel an der Erziehung, an Vorerfahrungen oder der aktuellen Stimmung liegen.

 

Tipp: Je konkreter meine eigene Kommunikation ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Gemeinte auch beim Anderen ankommt. Das funktioniert am besten über eine bildhafte Sprache, genaue Erklärungen und natürlich häufiges Nachfragen, ob es beim Anderen denn auch wirklich so ankommt, wie ich es gemeint habe. Probieren Sie es in unserem Beispiel mit einer konkreten Zeitangabe: „Ich melde mich bei Ihnen innerhalb der nächsten drei Tage mit meinem Feedback“.

 

Zuhören (analytisch versus assoziativ)

Gemütlicher Abend mit Freunden, Wein und gutem Essen. „Erzähl mal, wie war dein Urlaub in Dänemark?“. „Sehr schön, die Dünen...“, „Ja, das kenn ich! Da waren wir auch mal, vor zwei Jahren...“ – Viele Menschen fragen, um zu antworten. Sie hören Dänemark und assoziieren das sofort mit ihrem eigenen Urlaub, von dem sie daraufhin begeistert erzählen. Der Fachmann nennt dies assoziatives Zuhören. Die Urlaubserlebnisse des Anderen interessieren danach nicht mehr sonderlich. Echtes, beziehungsweise analytisches Zuhören hingegen besteht in der Absicht, das Gesagte vom Standpunkt des Anderen zu verstehen und wertzuschätzen.

 

Tipp: Assoziatives Zuhören kann in bestimmten Situationen sehr bereichernd sein. Achten Sie aber darauf, den Anderen nicht mit eigenen Geschichten zu überlagern; auch, wenn Sie es gut meinen. Nehmen Sie seine Bedürfnisse wahr! Sobald Sie in einem Gespräch den Impuls verspüren, Ihre eigenen Ideen loszuwerden, versuchen Sie dies zu unterdrücken und fragen Sie aktiv bezüglich seiner Themen nach.

 

Wertschätzung

Ein Chef, der sich von Herzen bei seinen Mitarbeitern bedankt – nicht mit einer gängigen Floskel, sondern liebevoll und ehrlich, das gehört eher zur Ausnahme. „Bei uns ist es gerade sehr stressig, da habe ich keine Zeit für viel Lob, es muss einfach funktionieren“, ist eine der häufigsten Ausreden. Ebenfalls gern genommen: „Was soll ich ständig loben, wir sind doch nicht im Kindergarten.“ Gerade in Stresssituationen kann echte Wertschätzung viel Kraft und Selbstwertgefühl geben und somit zum Erfolg führen. Dabei geht es nicht um die Häufigkeit des Lobens. Es sollte aber immer aufrichtig und ehrlich sein.

 

Tipp: Studien haben ergeben, dass ein Lob 15 Sekunden dauern sollte, bis es beim Anderen wirklich ankommt und angenommen werden kann. Ein Kritikpunkt hingegen sticht sofort. Probieren Sie es also mit einem ausformulierten Lob – Behauptung, Begründung, Beispiel. Und fragen Sie sich ehrlich: Was schätze ich an meinem Gegenüber? Wie kann ich Positives an ihm besser und schneller erkennen? Wie kann ich diese Wertschätzung dann in meinen Worten mitteilen?

Den Text haben Sie schon mal geschafft. Glückwunsch, ein erster Schritt ist gemacht! Jetzt hilft nur noch üben, üben, üben. Gefestigte, eigene Kommunikationsmuster zu durchbrechen ist häufig alles andere als einfach und manchmal auch frustrierend. Versuchen Sie, nicht zu streng mit sich zu sein und dran zu bleiben, denn es lohnt sich! Ach, und das Wichtigste: Bleiben Sie authentisch!

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