Optimismus lohnt sich!
Psychologie

Halb voll oder halb leer?

Optimismus ist lernbar – und sinnvoll!

Halb voll oder halb leer – der Füllzustandes eines Glases wird von optimistischen Menschen typischerweise anders wahrgenommen, als von Pessimisten. Dabei hat die Sichtweise gewichtige Folgen: Optimisten haben mehr Spaß und leben länger, wie verschiedene Studien zeigen. Wie Sie das Glas bewerten, haben Sie selbst in der Hand!

Früher war alles besser und morgen wird alles noch schlimmer, denn die Welt ist grundsätzlich gegen mich.“ Wer kennt Menschen mit dieser Einstellung nicht? Auf sie wirken Veränderungen oft anstrengend, nahezu bedrohlich. Die Renovierung des eigenen Hauses bedeutet Lärm und Dreck. Ein erfrischender Sommerregen – pures Sauwetter! Der neue Chef – die Garantie für baldigen Burnout! Vielleicht ertappen Sie sich sogar hin und wieder selbst als pessimistischer Denker. Frei nach dem Motto: „Zu jeder Lösung finde ich die passenden Probleme“.

 

Wissenschaftler wissen heute, dass sowohl Pessimismus als auch Optimismus ein Zusammenspiel aus drei Faktoren sind: Neben genetischer Veranlagung und individueller Lebenserfahrungen ist auch die subjektive Sicht auf die Welt von immenser Bedeutung, ob Ihr Alltag in Ihren Augen in goldenem Licht strahlt oder tiefschwarz daherkommt. Beeinflussen können wir in erster Linie den dritten Aspekt: Die Wahrnehmung unserer Umwelt. Ist diese eher optimistisch, macht der Alltag unbestreitbar mehr Spaß – mit der angenehmen „Nebenwirkung“, dass wir länger leben, wie Psychologen herausgefunden haben. Es lohnt sich also, etwas dafür zu tun, dass wir das Glas als halb voll erachten.

„Begegnen wir Problemen voller Hoffnung und Optimismus, lassen sie sich begrenzen.“

Dalai Lama

Optimisten sind gute Ignoranten

Psychoanalytiker Wolfgang Schmidbauer erklärt in einem Interview mit ZEIT Wissen [1], warum Optimisten aus seiner Sicht vor allem Meister der Verdrängung sind. Wir haben demnach im Alltag mit dem Erleben von Angst und deren Abwehr zu tun. Für Schmidbauer bedeutet Optimismus in erster Linie ignorieren können, dass das Leben schlecht ausgeht und wir eines Tages sterben. Könne jemand das nicht verdrängen, erleben wir ihn als Pessimisten.

 

Stets aktiv: unser Angstzentrum

Tatsächlich ist unser Gehirn für Gefahren besonders empfänglich, wie die Neurologin Elaine Fox in ihrem Buch „In jedem steckt ein Optimist“ [2] beschreibt. Denn das Angstzentrum unseres Gehirns – die so genannte Amygdala – gehört zu den älteren Regionen unseres Denkorgans. Als sie entstand, waren natürliche Gefahren für uns Menschen noch an der Tagesordnung, ob durch Raubtiere oder Naturgewalten. Bis heute funktioniert die Amygdala höchst zuverlässig. So zeigten verschiedene Studien, dass wir bedrohliche Objekte viel schneller wahrnehmen, als harmlose. Dabei agiert die Amygdala meist außerhalb unserer bewussten Wahrnehmung. Während wir mit etwas völlig Harmlosen beschäftigt sind, scannt sie ununterbrochen unsere Umwelt nach Gefahren. Inwieweit die Furcht davor dann von uns kontrolliert werden kann, hängt vom präfrontalen Kortex des Gehirns ab. So nennen Fachleute das „Kontrollzentrum“, das die Aktivität des Angstzentrums hemmen kann.

 

Das Gute dabei: Unser Gehirn besitzt Plastizität; es verändert sich. Und zwar durch unsere Erfahrungen und Kenntnisse. Wir selbst können mit der Wahrnehmung der Welt und dem individuellen Lernen daraus die Verbindung zwischen Angst- und Kontrollzentrum im Gehirn formen. Und somit Stück für Stück einen besseren Umgang mit unseren Ängsten finden. Oder wie Wolfgang Schmidbauer sagen würde: Diese besser verdrängen und dadurch optimistischer werden. Gewöhnen wir es uns an, das Positive zu sehen, statt das Schlechte, verändern sich auch die Schaltkreise in unserem Kopf.

Ist die rosarote Brille die Lösung?

Rosarote Brille für alle?

Bedeutet das also, künftig jeden Regenschauer mit einem fröhlichen Tanz im kalten Nass zu feiern? Dem Chef, der Sie vor den Kollegen anschreit, für das offene Zeigen seiner Emotionen zu danken? Sicherlich nicht. Lassen Sie die rosarote Brille lieber im Etui, denn auf dem Weg zu einer optimistischeren Denkweise geht es nicht darum, Probleme einfach schön zu reden.

 

Zur ernsthaften Steigerung des Glücksgefühls beschreibt Fox in ihrem Buch vielmehr drei Dinge, die zusammenkommen müssen: viele positive Emotionen und häufiges Lachen, ein starkes Sich-Einbringen in das eigene Leben und das Entdecken eines höheren Lebenssinns. An allen drei Faktoren können Sie selbst aktiv arbeiten und so Ihr Lebensgefühl positiver gestalten.

 

Der Mensch als soziales Wesen fühlt sich vor allem dann wohl, wenn er mit seinen Mitmenschen gute Beziehungen pflegt. Nun sind vielleicht nicht alle Arbeitskollegen nach „Ihrem Geschmack“ oder die Belastung in der Abteilung ist mitunter hoch? Gerade in stressigen Zeiten kann kooperative Kommunikation (kokomm®) den Weg zeigen, wertschätzender, entspannter und freier miteinander umzugehen und der Fröhlichkeit im Austausch mit anderen größeren Raum zu geben.

„Gewöhnen wir es uns an, das Positive zu sehen, statt das Schlechte, verändern sich auch die Schaltkreise in unserem Kopf.“

Sich-Einbringen in das eigene Leben steht für die Entscheidung, aktiv Dinge zu tun, die aus Ihrer Sicht Ihr Sein mit Sinn erfüllt. Der Gegensatz wäre ein rein reaktives Verhalten auf Situationen, die Ihnen von außen aufgezwungen werden und mit denen Sie sich vielleicht nicht wohl fühlen. Nehmen Sie selbst das Heft in die Hand und suchen Sie sich Ihr Feld, in dem Sie sich engagieren. Nicht jeder kann gleich eine Stiftung gründen, wie es beispielsweise Promis gerne vormachen. Es darf durchaus auch „eine Nummer kleiner“ sein. Bei der Suche nach diesem Etwas kann Ihnen ein erfahrener Coach eine wertvolle Stütze sein.

 

Aber wie – um Himmels Willen – entdecken wir einen höheren Lebenssinn? Diesem großen Ziel nähern Sie sich am besten in der „merkelschen“ Manier der kleinen Trippelschritte: Schon kleine Gewohnheiten können im Alltag unsere Denkweise zum Positiven hin verändern. Etwa ein Dankbarkeits-Tagebuch. Darin schreiben Sie einen Monat lang jeden Abend drei bis fünf Dinge auf, für die Sie an diesem Tag dankbar sind. Und erhöhen damit die Wahrscheinlichkeit, dass sie bald wieder mehr Lösungen als Probleme sehen.

[1] Lebert, Andreas: Pessimisten haben recht, Optimisten den Spaß. Ein Gespräch mit dem Psychoanalytiker Wolfgang Schmidbauer über Angst und Zuversicht im Alltag. Interview: Andreas Lebert. ZEIT Wissen 1/2014. http://www.zeit.de/zeit-wissen/2014/01/interview-wolfgang-schmidbauer-optimisten-pessimisten (Stand: 24. 7. 2017).

 

[2] Fox, Elaine: In jedem steckt ein Optimist. Wie wir lernen können, eine positive Lebenseinstellung zu gewinnen. München: Bertelsmann, 2012.

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Von Nadescha Vornehm
Trainerin der mensch & kommunikation GmbH
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