Beitrag von Constanze Fürst

»Ich wünsche mir, dass Firmen erkennen, wie wertvoll ihre Frauen sind.«

Interview mit Simone Zander, Expertin für female Empowerment bei mensch & kommunikation

Was brauchen Frauen? Simone Zander, Expertin für female Empowerment, über Wendepunkte, den Einfluss von Testosteron und die Frage, warum Persönlichkeit im Job wichtiger wird.

Simone, warum ein extra Training für Frauen?

Frauen brauchen andere Übungen als Männer, wenn es ums Selbstbewusstsein geht. Mangelndes weibliches Selbstbewusstsein hat viele Gesichter. Frauen zweifeln oft an ihren Fähigkeiten und trauen sich meist nicht, ihre Talente und Visionen zu entwickeln. Ihnen fehlt die Zuversicht in ihre Kompetenz. Was bedeutet, dass sie bei großen Projekten, Führungsrollen und Gehaltserhöhungen oft übergangen werden.

Frauen zweifeln mehr an sich als Männer. Wie kommst du darauf?

Das fängt schon mit unseren Hormonen an. Männer haben mehr Testosteron im Blut. Das ist der Gegenspieler des Stresshormons Cortisol. Männern sind deshalb von Natur aus etwas stressresistenter, risikofreudiger und selbstbewusster.

Und Frauen?

Frauen haben in der Regel weniger Testosteron im Blut. Eines der daraus resultierenden Symptome ist ein niedrigeres Selbstwertgefühl. Außerdem bilden Frauen ab der Pubertät verstärkt ein Persönlichkeitsmerkmal aus, das man in der Psychologie Neurotizismus nennt. Dadurch neigen sie dazu, ängstlicher und vorsichtiger zu sein. In ihrer genetischen Rolle als Mutter mag das vorteilhaft sein. Nicht im Business.

Im Business ─ Was beobachtest Du da?

Alle wollen immer alle gleich machen. Das geht nicht. Wenn Frauen das gleiche Verhalten an den Tag legen wie Männer, werden sie schnell als zu dominant, zu aggressiv wahrgenommen.

Du bringst Frauen wieder in ihre weibliche Kraft.

Ja. Ich arbeite oft mit einer Videokamera, damit sich meine Teilnehmerinnen einmal selbst wahrnehmen können. Dann stelle ich zwischendurch gerne unerwartete Fragen. So sehen die Frauen ihr Verhalten auch in kritischen Situationen. Das macht zunächst nicht so viel Spaß. Aber ich merke, dass viele sehr dankbar für mein ehrliches Feedback sind. Denn wer sich selbst bewusst wahrnimmt, wird auch wahrgenommen.

Welche Frauen kommen zu Dir?

Die Frauen, die in meine Seminare und Coachings kommen, sind zwischen 25 und 45 Jahre alt. Die meisten stehen an einem Wendepunkt in ihrem Leben. Tragen einen Veränderungswunsch in sich. Sie sind bereit, einen neuen Weg zu gehen.

Wie drückt sich so ein Wendepunkt aus?

Es ist dieses Gefühl von: Jetzt muss etwas passieren, damit ich vorankomme. Für die einen ist es der Wunsch nach beruflicher Veränderung, für die anderen eine bessere Balance zwischen Beruf und Familie.

Du bist selbst eine Frau. Waren Wendepunkte für Dich denn immer leicht anzunehmen?

Zumindest habe ich sie immer angenommen. Nach einer Design-Ausbildung und einigen Jahren in Agenturen, habe ich Psychologie studiert. Im Anschluss habe ich keinen Master-Platz bekommen. Deshalb bin ich nach Indien und habe mir den Traum einer Yoga-Ausbildung erfüllt. Rückblickend war das die beste Entscheidung meines Lebens. Heute kann ich all dieses Wissen in meine Seminare einfließen lassen. Die Körperarbeit vom Yoga. Das stabile Fundament des Psychologie-Studiums. Und aus den Werbeagenturen die Erfahrung, mit Stress umzugehen. Auch mich kosten Projekte noch Mut. Gleichzeitig sehe ich Selbstbewusstsein wie einen Muskel, den man trainieren kann.

Deine Trainings sind also das Fitnessstudio für Selbstbewusstsein.

Sozusagen. Ich hatte einmal eine Coaching-Klientin, die sich beruflich verändern wollte. Sie kam mit zwei Stellenausschreibungen zu mir. Die erste Stelle fand sie nicht besonders spannend, aber sie traute sich die Aufgaben zu. Die zweite Stelle war ihr Traumjob. Doch sie hatte das Gefühl, nicht gut genug dafür zu sein. In mehreren intensiven Coachings habe ich sie dazu ermutigen können, ihre Einstellung und auch ihre Körperhaltung zu ändern. Einige Zeit später habe ich sie dann zufällig auf einer Netzwerk-Party getroffen. Und sie kaum wiedererkannt. Sie nahm auf einmal Raum ein, war viel präsenter. Sie sah toll aus. Außerdem erzählte sie mir, dass sie beim Bewerbungsgespräch für ihren Traumjob überzeugt hatte.

Wow. Wie wichtig, glaubst Du, ist Persönlichkeit im Job?

Sehr wichtig. Im Zeitalter der Digitalisierung und der Künstlichen Intelligenz wird Menschlichkeit langfristig eine wichtige Ressource. Eine starke innere Haltung und ein selbstbewusster Umgang mit Kollegen und Kunden schaffen den Raum für echtes Wachstum. Wer sich traut Stärken und Schwächen zu zeigen, kann Menschen auf Augenhöhe begegnen. Das bringt Wertschätzung und langfristige Erfolge.

Zum Abschluss: Was wünscht Du Dir für die Frauenarbeitswelt?

Ich wünsche mir, dass Firmen erkennen, wie wertvoll ihre Frauen sind. Und ich wünsche mir, dass Frauen sich gegenseitig mehr unterstützen. Und endlich anfangen, an ihr wahres, individuelles Potential zu glauben.

Vielen Dank für das Gespräch.

Buchempfehlungen von Simone

  • Lean In: Frauen und der Wille zum Erfolg (Sheryl Sandberg)
  • Feminist Fight Club: Wie sich Frauen am Arbeitsplatz erfolgreich durchboxen (Jessica Bennett)
  • Das Arroganz-Prinzip: So haben Frauen mehr Erfolg im Beruf (Peter Modler)

Quelle (Neurotizismus)
https://doi.org/10.1080/00224549709595447

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