Beitrag von Constanze Fürst

Leadership Qualitäten - Der Mitarbeiter im Fokus

Was Führungskräfte vom Trainer der Deutschen Handball-Nationalmannschaft lernen können

Aus aktuellem Anlass blicken wir heute auf die Handball-WM 2019 zurück. Nicht nur unsere Handball Herzen ließ das Turnier höher schlagen. Auch als Anhänger erfolgreicher Kommunikation mit Leichtigkeit bot uns das Turnier viel Grund zur Freude. Nach dem Vorrunden-Aus bei der EM 2018 hat das deutsche Team sein gesetztes Ziel erreicht: das Halbfinale. Christian Prokop trug mit seinen Leadership Qualitäten als Cheftrainer einen großen Teil zu diesem Erfolg bei. Wir haben die Kommunikation zwischen Trainer und Spielern seit Beginn des Turniers verfolgt.

Team trifft Entscheidungen

Christian Prokop analysiert vom Spielfeldrand. Sucht nach Möglichkeiten, sein Team optimal auf das Verhalten des Gegners einzustellen. Während Spielunterbrechungen gibt er seine Einschätzung ab. Dann – und das ist ein Schlüsselmoment, ein Unterschied zur EM 2018 ─ überträgt er die Führung an seine Spieler. »Entscheide Du. Du bist dafür verantwortlich.«, hört man ihn sagen – er lässt seinen Spezialisten die Wahl, weil er in ihre spielerische Intelligenz vertraut.

Wir statt Ich

Seine Trainer-Philosophie: Jeder Spieler ist wichtig. Die Mannschaft ist bewusst »breit« aufgestellt. Jeder ist einsatzbereit. Der einzelne Spieler wird gesehen und für seine Fähigkeiten wertgeschätzt. Wie wirkt sich das auf das Team aus? Die Spieler auf der Bank fiebern mit, freuen sich sichtlich über die Tore der Feldspieler. Der Erfolg als Team steht über dem Spieler-Ego. Das gilt auch für die Beziehung zwischen Trainer und Spielern. Selbst wenn das gewünschte Ergebnis einmal nicht erreicht wird, übernimmt Prokop stets seinen Teil der Verantwortung. Statt Schuldzuweisungen hört man von ihm Spielanalysen.

Unterstützung

»Wir sind voll im Plan.« ─ Auch wenn manche Spiele kurzfristig an Fahrt verlieren, sorgt Trainer Christian Prokop mit kurzen Feedbacks für Ruhe und Zuspruch. Er nimmt die Anspannung der Lage auf sich und transformiert sie in Motivation seiner Spieler. »Braucht ihr noch was?« ─ auch diesen Satz bekommen wir regelmäßig zu hören. Vier Worte, die sein Führungsverhalten auf den Punkt bringen: bei-stehend statt vor-stehend.

Spieler im Fokus

Oft zu beobachten ist auch, dass Führungsspieler das letzte Wort bekommen. Die Spieler sollen aufeinander hören. Dazu schafft Trainer Prokop den Raum, nimmt sich selbst zurück. Auch die Art und Weise, wie er in den Medien über seine Spieler spricht, zeugt von ehrlicher Wertschätzung.

Was können Unternehmen von Prokop lernen?

Wie der Erfolg eines Trainers abhängig ist von seinen Spielern, so ist auch ein Unternehmen angewiesen auf sein Personal.

Laut einer Studie (Gallup Engagement Index 2018[1]) fühlen sich hierzulande nur 15% der Mitarbeiter emotional stark an ihr Unternehmen gebunden. Emotionale Mitarbeiterbindung und Engagement hingen dabei eng zusammen. Dreiviertel der Arbeitnehmer, die nicht mit Herz bei der Arbeit wären, machen laut Umfrage vor allem »Dienst nach Vorschrift«.

Wenn von sieben Feldspielern ein einziger bereit wäre, mehr als das Nötigste zu geben, wie weit, glauben Sie, würde es so ein Team bei einer Weltmeisterschaft bringen?

Mangelnde emotionale Bindung der Mitarbeiter zu ihrem Unternehmen kann vielleicht vorübergehend kompensiert werden. Kompensations-Strategien versprechen aber kaum langfristige Erfolge und Zufriedenheit.

Leadership Qualitäten wie von Trainer Christian Prokop können den Mitarbeiter wieder in den Fokus rücken, um diese wichtige Bindung aufzubauen. Dazu gehören:

  • Selbstwirksamkeit erfahrbar machen durch Entscheidungsfreiräume
  • ehrliche Wertschätzung
  • eine Aufgabenverteilung, die sich an den Stärken der Mitarbeiter orientiert
  • Fördern des kollegialen Miteinanders

Das kann sich nachhaltig auf die Stoßrichtung des gesamten Unternehmens auswirken. Wie folgende Reaktion des DHB-Kapitäns Uwe Gensheimer zeigt. Deutschland hatte gerade ein Unentschieden gegen Frankreich eingefahren - trotz steter Führung bis drei Sekunden vor Spielende. Gensheimer antwortete auf die Frage eines Reporters, wie lange es dauere, bis er dem Spiel etwas Positives abgewinnen könne: »Nicht lange. Ich bin froh, dass ich mir beim Tritt gegen den Pfosten nicht den Fuß gebrochen habe.«

Fazit

Mitarbeiter, die mit Vertrauen geführt und im Mittelpunkt des Unternehmens stehen, können sich auch bei Stolpersteinen wieder auf ihr (gemeinsames) Ziel ausrichten – aus unserer Sicht eine klare Win-Win-Situation.

Ganz nebenbei: Mit dem Vorrunden-Aus der Deutschen Handball-Nationalmannschaft bei der EM 2018, wackelte auch Christian Prokops Trainerstuhl. Sein erstes großes Turnier als Cheftrainer war damit fast sein letztes. Was ihn hielt, waren 6:2 Stimmen des DHB-Präsidiums. Und eine beispiellose Reflexion des eigenen Führungsstils.

Wenn Vertrauen auf Bereitschaft trifft, wird eine enorme Kraft freigesetzt. Wir gratulieren dem Deutschen Team für die tolle Vorstellung ─ und ziehen den Hut vor Christian Prokops Leadership-Leistung!

Inspirations-Zitat zum Schluss:
»Wer seiner Führungsrolle gerecht werden will, muß genug Vernunft besitzen, um die Aufgaben den richtigen Leuten zu übertragen, und genügend Selbstdisziplin, um ihnen nicht ins Handwerk zu pfuschen.«
Theodore Roosevelt, 26. Präsident der USA

[1] https://www.gallup.de/183104/engagement-index-deutschland.aspx (abgerufen, 27.01.2019)

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