Transkulturalität: Internationale Teams besser aufstellen
Internationale Teams

Wenn Ihr Gegenüber Sie nicht versteht…

…ist das oft kein Sprachproblem!

Transkulturalität – Ein neuer Weg zur besseren Verständigung in internationalen Teams

Dank der 4. industriellen Revolution und der zunehmenden Digitalisierung der Arbeits- und Lebenswelten ist es heute für die meisten Mitarbeiter eine Selbstverständlichkeit, in internationalen Teams zu arbeiten. Die gängige Verständigungssprache ist in der Regel Englisch, auch wenn die Sprache von den einzelnen Beteiligten oft in sehr unterschiedlicher Güte beherrscht wird.

Kommt es in diesem „babylonischen Sprachengewirr“ zu Missverständnissen, Fehleinschätzungen oder im schlimmsten Fall zum Scheitern von Projekten, muss nicht zwangsläufig die sprachliche Barriere schuld sein. Oft sind es kulturelle Unterschiede zwischen den Diskussionsteilnehmern, die dazu führen, dass jeder das Gesagte anders auffasst. Was gemeint ist, versteht jeder Europäer, der sich schon einmal mit einem Singhalesen unterhalten hat: Nicken wir hierzulande, um im Gesprächsverlauf Zustimmung zu signalisieren, schütteln Asiaten dabei den Kopf. Glauben Sie mir, es bringt Sie beim ersten Mal komplett aus dem Konzept, wenn Sie über das herrliche Wetter reden und Ihr Hotelmanager in Sri Lanka während Ihrer Rede den Kopf schüttelt…

Um in Unternehmen diesen Fallen zu begegnen, hat sich häufig der „klassische“ interkulturelle Ansatz etabliert. Vereinfacht gesagt geht es darum, in multikulturellen Teams die Do’s und Dont’s im jeweiligen anderen Kulturraum aufzuzeigen, um solche Missverständnisse zu vermeiden. Also zum Beispiel Informationen darüber zu geben, wie sich Mann und Frau im arabischen Raum auf angemessene Weise begegnen. Oder eben wann wer nickt oder den Kopf schüttelt.

Globalisierung steckt in jedem von uns

Doch das greift zu kurz. Denn die wenigsten Menschen in unserer globalisierten Arbeitswelt haben nur eine kulturelle Prägung: Der IT-Mitarbeiter aus Indien beispielsweise ist meist mit ebenso vielen indischen wie unterschiedlichen westlichen Einflüssen aufgewachsen – ohne, dass ihm das bewusst wäre. Für die Kommunikation im Team und mit Kunden sind diese Identifikationsstrukturen aber von besonderer Bedeutung. Es reicht nicht mehr aus, die jeweiligen Kulturen voneinander abzugrenzen. Mit dieser „eindimensionalen“ Sicht schaffen Sie eher neue Grenzen. Vielmehr benötigt jede Person in ihrer einzigartigen, vielschichtigen Gesamtheit einen anderen – „mehrdimensionalen“ –  Weg, sich ihrer individuellen Prägungen als Einheit bewusst zu werden.

Wer sich selbst erkennt und versteht, entwickelt eher eine größere Achtsamkeit und Bereitschaft für andere in deren jeweiligen sozio-kulturellen Kontexten.

Mit Selbsterkenntnis beginnt der Konsens in internationalen Team

Jeder Mensch hat seine eigenen kulturellen Prägungen, die sich eben nicht nur durch die Sprache und die Herkunft ausdrücken, sondern auch durch Glaubenssätze, Überzeugungen – und vor allem Verhalten.

Die Transkulturelle Kommunikation betrachtet nun in erster Linie den Menschen in seiner sozio-kulturellen Umgebung, sie analysiert Bedingungen, Prägungen und Erfahrungen aus Kultur, Religion, Gesellschaft und Familie. Die Sensibilisierung für die eigenen Denkmuster und Prägungen und für die damit oft unbewusst verbundenen Verhaltensweisen stärkt das Bewusstsein über die eigene Persönlichkeit. Wer bin ich? Wo komme ich her? Welche verschiedenen Einflüsse haben mich geprägt? – Wer sich selbst erkennt und versteht, entwickelt eher eine größere Achtsamkeit und Bereitschaft für andere in deren jeweiligen sozio-kulturellen Kontexten. So wird die Suche nach einem Konsens in der Kommunikation effektiver. Konsens bedeutet jedoch nicht Anpassung, sondern das Finden eines dritten Weges, dem alle Beteiligten zustimmen können.

Transkulturelle Trainings in der Praxis

Der transkulturelle Ansatz arbeitet in einem ersten Schritt mit intensiven Reflexionsübungen zu individuellen kulturellen Prägungen und Erfahrungen, zu Lernerfahrungen der Muttersprache und Zweitsprachen, analysiert Identifikationssymbole, Rituale und daraus entstandene Verhaltensmuster. Im zweiten Schritt werden dann die Beteiligten mit ausgesuchten Fallstudien konfrontiert.

Durch das Durchspielen diverser Szenarien und deren möglicher Resultate ergeben sich Fragen zu einem angemessenen und effektiven Lösungsweg. Und hier sind sämtliche individuelle kulturelle Bilder eines jeden Mitarbeiters gefragt. Jede kulturelle Prägung kann eine Ressource sein, ein Mosaikstein, der exakt in die Lücke passt.

Der Schritt hin zum Erkennen der eigenen multi-kulturellen Prägungen ist der erste und mühevollste, aber auch der, der viel Licht in nebelhafte und manchmal überraschende Reaktionen bringt. Diese Bewusstheit der eigenen Identifikation erleichtert das Entdecken und das Verständnis für die Identifikation des Anderen. Und damit ist Kommunikation dann kein Störungsfeld mehr, sondern sichert den ungehinderten Transfer und Austausch in internationalen Teams, zur Zufriedenheit aller Beteiligten. Versuchen Sie’s!

Zurück

Verpassen Sie mit unserem News-to-use-letter #gesundekommunikation keinen Artikel mehr!