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Beitrag von Annalena Caputo

Wie Sie die psychologische Sicherheit Ihrer Mitarbeiter auch im Home Office fördern können

Psychological Safety

Der Begriff Psychologische Sicherheit stammt von der Forscherin Amy Emondson der Harvard Business School. Sie bezeichnet damit „das Wissen, dass man nicht bestraft oder gedemütigt wird, wenn man sich mit Fragen, Kommentaren, Bedenken oder Fehlern zu Wort meldet“. Jahrzehntelange Forschung, unter anderem eine bedeutende Studie von Google, zeigte die Notwendigkeit der psychologischen Sicherheit im Unternehmen für dessen Erfolg.

Psychologische Sicherheit fördert Innovation, kreatives Denken sowie die Bereitschaft des Einzelnen, sich einzubringen. Sie schafft Vertrauen und stärkt die Zusammenarbeit der Teammitglieder. Es wird mehr Feedback gegeben, nach Hilfe gefragt, Fehler zugegeben und Ideen geteilt.

Alles in allem ist die psychologische Sicherheit das Fundament für kontinuierliches Lernen, erfolgreiche Prozessveränderungen, ein hohes Mitarbeiterengagement und Innovation. Menschen müssen sich sicher fühlen, um zu wachsen, zu lernen und in einer Welt voller Veränderungen Leistung zu erbringen.

Psychological Safety im Büro

Wie kann die empfundene psychologische Sicherheit der Mitarbeiter also gefördert werden? Hierzu gibt es zahlreiche Empfehlungen. Dazu gehören vor allem das Verständnis und die Wertschätzung von Kommentaren, Ideen und Anregungen. Auch Fragen und Zweifel sollen bedenkenlos geäußert werden können. Fehler sollen nicht kritisiert, sondern als eine Chance aufgefasst werden, um daraus zu lernen. So geben Mitarbeiter ihre Fehler eher zu, statt sie zu vertuschen.

  • Fragen Sie ebenfalls aktiv nach, wie es Ihren Mitarbeitern geht.
  • Zeigen Sie Interesse und lassen sie alle Personen zu Wort kommen.
  • Beziehen Sie Mitarbeiter in Entscheidungsprozesse ein und signalisieren Sie Ihnen, dass Ihre Meinung zählt und wertgeschätzt wird.
  • Fördern Sie ebenfalls die Kooperation im Unternehmen durch Teamaufgaben.

Rücksichtsvoll und wertschätzend mit jedem einzelnen Ihrer Mitarbeiter umzugehen und Ihnen das Gefühl zu geben, Fehler machen zu dürfen, stellt im Arbeitsalltag eine wichtige Aufgabe dar.

…und im Home Office?!

Was passiert nun, wenn wir alle plötzlich nicht mehr zusammen im Büro sitzen, morgens einen Kaffee miteinander trinken können und den ganzen Tag ein persönlicher Austausch stattfinden kann? Was passiert, wenn wir bei unserem Teammeeting alle zuhause im Home Office sitzen, allein vor unseren Bildschirmen, statt zusammen an einem Tisch? Existiert diese Sicherheit, die wir zuvor im Büro hatten, noch immer? Was glauben Sie?

Ich sitze vor meinem Laptop in meinem Arbeitszimmer. Dieses war übrigens bis vor einigen Tagen noch ein Gästezimmer, welches aufgrund der Umstände umfunktioniert werden musste. Alle Mitarbeiter haben auf Home Office umgestellt. Auf dem Bildschirm ist das Mailing-Programm geöffnet, denn ich habe soeben eine Mail von meinem Chef erhalten. Mir ist ein wenig mulmig zumute. Gerade habe ich erfahren, dass wir uns in der Abteilung neu organisieren sollen – doch ich bin nicht sicher, ob das neue Prinzip tatsächlich so zielführend für uns ist. Ehrlich gesagt habe ich sogar große Zweifel daran. Doch nun extra eine Mail zu schreiben, in der ich meine Bedenken äußere?... Ich ringe mit mir. – Nein, ich glaube das wäre unhöflich. Er könnte wütend auf mich werden, oder schlecht über mich denken. Hm… Normalweise würde ich jetzt meine Zweifel einfach ganz vorsichtig formulieren… aber in einer extra Mail?! Das hat ja dann schon irgendwie Aussagekraft… Ach, nein, ich lasse das einfach sein. Wird schon gutgehen. Ich schließe das Mailing-Fenster und widme mich wieder meiner Arbeit.

Gerade in der digitalen Welt treten Schwierigkeiten auf, die es so zuvor nicht gegeben hat. Missverständnisse kommen auf, Informationen werden nicht so vermittelt wie sie gemeint waren, Körpersprache und Blickkontakt fallen weg – die Kommunikation verändert sich grundlegend. Und genau aus diesem Grund ist die psychologische Sicherheit in der digitalen Arbeitswelt mindestens genauso wichtig wie im Büro. Ihre Mitarbeiter sollen sich sicher und zugehörig fühlen – vor allem im Home Office, wenn der persönliche Austausch fehlt.

Wir möchten Ihnen einige Tipps an die Hand geben, wie Sie es schaffen, dass sich Ihre Mitarbeiter auch im Home Office wohl und sicher fühlen, sodass die Produktivität und Innovation des Teams nicht leidet, sondern – ganz im Gegenteil – gerade jetzt noch viel mehr gefördert wird.

  • Organisieren Sie regelmäßige Videokonferenzen als Stand-Up-Meetings, um für einen guten Austausch zu sorgen und alle Teammitglieder auf dem aktuellsten Stand zu halten. Gute Möglichkeiten sind dabei zum Beispiel Zoom, Google Meet oder Skype.
  • Versuchen Sie, auch dort eine angenehme Atmosphäre zu schaffen. Lassen Sie die Teilnehmer zu Wort kommen und ausreden. Wenn die Technik dies erschwert, finden Sie eine Lösung dafür, wie beispielsweise das Melden durch ein Hand-Zeichen im Chat.
  • Fragen Sie nach, wie die Arbeit läuft, ob es Schwierigkeiten gibt und zeigen Sie Interesse - gerade virtuell kommen Stimmungen und Gefühle nicht so einfach zum Ausdruck.
  • Im virtuellen Meeting tendiert man schnell dazu, mal kurz einen Blick in seine Mails zu werfen. Sie sind ja schließlich nur einen Mausklick entfernt. Tun Sie dies nicht – konzentrieren Sie sich stattdessen nur auf die Videokonferenz und seien Sie ganz präsent.
  • Innerhalb der Meetings darf auch mal über private Themen gesprochen werden, da außerhalb dieser Videokonferenzen kaum eine Interaktion stattfindet. Fragen Sie Ihre Mitarbeiter, wie es Ihnen geht. Wie auch im Büro stärkt dies das Vertrauen.
  • Organisieren Sie neben den Stand-Up-Meetings mit Ihrem Team auch regelmäßig 1:1-Meetings, um persönliche Gespräche mit einzelnen Mitarbeitern führen zu können. Zeigen Sie, dass Sie erreichbar sind, trotz der räumlichen Distanz.
  • Beziehen Sie Ihre Mitarbeiter außerdem in Entscheidungen mit ein – auch wenn dies virtuell aufwendiger sein kann als im Büro. Fragen Sie nach ihrer Meinung und ihren Ideen.
  • Hilfreich kann dabei eine Plattform sein, wie beispielsweise Slack. Darüber können per Chat kommuniziert und Informationen schnell geteilt werden.
  • Seien Sie direkt, denn die virtuelle Kommunikation ist nicht die gleiche wie face-to-face. Versuchen Sie, Missverständnisse auch als solche zu sehen und aufzuklären. Emojis können nützlich sein, um Emotionen auch online zu übermitteln.
  • Hilfreich kann ebenfalls eine Plattform sein, wo Dokumente und Informationen geteilt und für alle zugänglich gemacht werden, wie zum Beispiel durch Google Docs.

Die Umstellung auf die digitale Arbeitswelt stellt uns alle vor bisher unbekannte Herausforderungen. Die Kommunikation und der Alltag ändern sich grundlegend. Daran muss man sich erst einmal gewöhnen. Eine andere Art der Zusammenarbeit ist gefragt.

Nutzen Sie diese Herausforderung als Chance, sich selbst und Ihr Unternehmen weiterzuentwickeln, sodass Sie gestärkt daraus hervorgehen können. Lernen Sie für die Zukunft und wachsen Sie an Ihren Herausforderungen.

Quellen:

  • Goller, I., & Laufer, T. (2018). Psychologische Sicherheit in Unternehmen. Wiesbaden: Springer Gabler.
  • Edmondson, A. C., & Lei, Z. (2014). Psychological safety: The history, renaissance, and future of an interpersonal construct. Annu. Rev. Organ. Psychol. Organ. Behav., 1(1), 23-43.
  • Zhang, Y., Fang, Y., Wei, K. K., & Chen, H. (2010). Exploring the role of psychological safety in promoting the intention to continue sharing knowledge in virtual communities. International Journal of Information Management, 30(5), 425-436.

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