Gastbeitrag

Work-Life-Integration

Wo die Grenzen zwischen Beruf und Privatleben verschwimmen

Die neue Arbeit. New Work. Dieser Begriff geistert seit einigen Jahren durch die deutsche Gesellschaft. Schon bald soll Arbeit anders funktionieren als bisher. Aber wie dieses „Anders“ aussehen soll, das scheint bislang erst den wenigsten klar zu sein.

Der Mensch mag bekanntlich das Vertraute und scheut die Ungewissheit. Am liebsten würden also deutsche Arbeitgeber und Arbeitnehmer den Status Quo einfrieren, obwohl Letztere doch immer so laut jammern über den Stress, den Leistungsdruck oder die fehlende Flexibilität im Arbeitsleben. Alle rufen nach Work-Life-Balance, doch wenn es um deren konkrete Umsetzung geht, werden entsprechende Veränderungen blockiert. Schon wieder eine Umstrukturierung – wer braucht denn sowas? Beziehungsweise wer will sowas? Sie nicht? Sollten Sie aber! Denn die New Work bringt vor allem aus Sicht der Arbeitnehmer zahlreiche Vorteile mit sich. Wer also wagt, sich auf das Neue in der Arbeit einzulassen, wird vielleicht endlich auch die langersehnte Work-Life-Balance erreichen. Oder besser noch: die Work-Life-Integration.

Nur durch Veränderung ist auch Verbesserung möglich

In einer so komplexen und schnelllebigen Welt wie der unseren macht es keinen Sinn, sich gegen Veränderungen zu sträuben. Diese kommen ohnehin und das in den letzten Jahren sogar zuhauf sowie in rasantem Tempo: Der demografische Wandel, die Digitalisierung, die Globalisierung oder der Fachkräftemangel sind nur einige Beispiele für Entwicklungen, welche aktuell den deutschen Arbeitsmarkt bewegen, und zwar sprichwörtlich. Die einen Unternehmen verlagern Standorte ins Ausland, die anderen verkleinern sich oder Startups sprießen aus dem Boden wie Pilze. Wir leben in einer Zeit der Veränderung. Das sollten Sie jedoch nicht als Gefahr betrachten, sondern als einmalige Chance. Denn diese Veränderungen offerieren zugleich die Möglichkeit, „besser“ zu leben beziehungsweise zu arbeiten als unsere Vorgängergenerationen. Es ist nicht mehr so, als müsse sich das ganze Leben nur um die Arbeit drehen. Das Privatleben muss nicht mehr hinter dem Job zurückstecken. Und es ist auch nicht mehr notwendig, seine Gesundheit für die Karriere aufzuopfern. Stattdessen steht der Sinn nach einem Berufs- und Privatleben im Einklang. Veränderung ist gut. Denn nur durch Veränderung ist schlussendlich auch Verbesserung möglich.

Innovative Arbeitsmodelle revolutionieren die Gesellschaft

Neue Arbeitszeitmodelle

Vielleicht ist das Problem mit der New Work schlichtweg jenes, dass viele Menschen bis vor Kurzem noch keine realistische Vorstellung davon hatten, wie diese aussehen könnte. Nach und nach fügen sich nun aber die Puzzleteile zusammen und ergeben ein Bild der neuen Arbeit: Sie ist flexibler, unabhängiger und selbstbestimmter. Die New Work ist orts-, irgendwann vielleicht sogar zeitunabhängig und erlaubt somit die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Immer mehr Deutsche leben und arbeiten als Freelancer – oder wie ein Freelancer, nur eben mit festem Arbeitsvertrag. Das Homeoffice ist davon nur eine Variante. Remote Work, Coworking oder Workation sind hingegen schwer im Kommen. Während die einen als digitale Nomaden quer über den Globus pendeln und mittels moderner Medien arbeiten sowie mit Kunden, Arbeitgebern & Co kommunizieren, hüten die anderen ihre Kinder, während sie am Schreibtisch ihrem Projekt nachgehen. New Work hat also nicht nur ein Gesicht, sondern viele verschiedene. Sie alle haben aber eines gemeinsam: Es geht um ein Gleichgewicht aus „Work“ und „Life“ – die Work-Life-Balance.

Arbeit wird individueller

Mit der New Work wird die Arbeit immer individueller. Plötzlich werden die Kinder oder Haustiere ins Coworking-Space mitgenommen oder die Mitarbeiterin hat Arbeitszeiten von 23 bis fünf Uhr nachts – einfach, weil sie sich zu dieser Zeit am besten konzentrieren kann. Dies bringt noch eine weitere Veränderung mit sich: Arbeit wird nicht mehr an der Zeit selbst gemessen, sondern zunehmend an Ergebnissen. Zugegeben, das ist nicht in allen Berufen möglich. Aber in immer mehr. Fakt ist also, dass moderne Arbeitsmodelle einen immer höheren Grad der individuellen Gestaltung ermöglichen. Sie schenken den Arbeitnehmern die Freiheit, selbst über ihre Arbeitszeiten, -orte und -inhalte zu entscheiden, welche weit über Gleitzeitregelungen oder einige Stunden Homeoffice pro Woche hinausgehen. Die digitalen Medien machen es möglich. Der einzige Grund, weshalb diese Entwicklung dennoch irgendwie schleppend und viel langsamer voranschreitet als in anderen Industrienationen wie den USA, liegt schlichtweg an der Angst. Die Arbeitgeber haben Angst vor dem Kontrollverlust. Es fehlt ihnen (noch) an Vertrauen in ihre Mitarbeiter. Die Arbeitnehmer haben derweil Angst vor der Ungewissheit und der fehlenden Anleitung durch den Vorgesetzten, welcher ihnen bei jedem Handgriff über die Schulter blickt. Vielleicht haben sie auch Angst davor, dass die Work-Life-Balance schlussendlich ihr Privatleben „auffrisst“ und die Grenzen zwischen Arbeits- und Freizeit verschwimmen.

Ja, die Angst ist begründet, aber…

 …das bedeutet dennoch nicht, dass New Work an sich etwas Schlechtes wäre. Es macht schlichtweg keinen Sinn, vor den neuen Arbeitsmodellen Angst zu haben, denn jede Veränderung hat auch etwas Positives und für das Negative gibt es stets eine Lösung. Tatsächlich wird es so sein, dass der Job und das Privatleben immer mehr verschwimmen. Es wird keine klaren Grenzen mehr geben zwischen Arbeits-, Familien-, Haushalts- oder Freizeit. Irgendwie passiert das alles plötzlich nebeneinander. Als „Work-Life-Integration“ wird dieses Modell bezeichnet und viele Experten sehen in ihm die Zukunft der Arbeit. Ob das nun ein gutes oder schlechtes Konzept ist, muss jeder Mensch selbst entscheiden. Es gibt aber durchaus eine richtige oder falsche Herangehensweise. Wer von der New Work nämlich profitieren will – und definitiv kann – sind jene Menschen, welche richtig mit der Work-Life-Integration umzugehen lernen. Aber wie?

Tipps für den erfolgreichen Eintritt ins Zeitalter der neuen Arbeit

Wer die New Work also meistern möchte, muss schlichtweg umdenken, wenn es um das Berufs-, das Privatleben und deren Kombination geht. Homeoffice, Remote Work, Coworking, Job Sharing, Vier-Tage-Woche, Vertrauensarbeitszeit, Sabbatical oder wie auch immer die zahlreichen neuen Arbeitsmodelle heißen möchten, welche aktuell den Anbruch einer neuen Ära der Arbeitsgestaltung ankündigen: Sie alle erfordern eine neue Herangehensweise an das Thema. Denn wer sie richtig zu nutzen weiß, kann durchaus ein gesünderes, erfüllteres sowie erfolgreicheres Leben im Einklang aus Beruf und Familie führen – und genau das war doch angeblich so lange Zeit der unerfüllte Wunsch deutscher Arbeitnehmer und vor allem Arbeitnehmerinnen, oder?! Wer also die Work-Life-Integration mit offenen Armen empfängt und folgende Grundregeln beachtet, sieht mit der New Work eine rosige Zukunft vor sich:

  • Multitasking ist ein absolutes No-Go. Auf den ersten Blick denken Sie vielleicht, bei der Work-Life-Integration müssten die Grenzen zwischen Arbeits- und Freizeit gänzlich aufgelöst werden. Doch wer beispielsweise gleichzeitig an einem Projekt sitzt und die Kinder hütet, wird nicht nur qualitativ schlechte Arbeit abliefern, sondern auch enorm gestresst sein. Multitasking macht krank, so viel steht fest. Es gilt also, für sich weiterhin eine klare Abgrenzung zwischen dem Job und dem Privaten zu finden. Nur, dass Sie diese eben fortan selbst definieren und somit individueller an Ihr Leben anpassen können.
  • Selbstorganisation ist das A und O für eine erfolgreiche Work-Life-Integration. Einige Menschen neigen dazu, plötzlich überhaupt nicht mehr zu arbeiten. Andere kommen gar nicht mehr heraus aus ihrem Homeoffice. Finden Sie also Ihre individuelle Strategie, beispielsweise To-Do-Listen oder die Pomodoro-Technik, um Ihrem Tagesablauf Struktur zu geben.
  • Sozialer Ausgleich darf bei der flexiblen Arbeit nicht fehlen. Viele Betroffene freuen sich zwar, dank Remote Work oder anderen innovativen Arbeitsmodellen schwierigen Menschen endlich aus dem Weg gehen zu können. Doch sozialer Ausgleich und das Reden mit anderen ist auch wichtig für den Stressabbau. Wenn Sie diesen also fortan nicht mehr (ausreichend) im Arbeitsumfeld haben, so pflegen Sie Ihre privaten sozialen Beziehungen bitte umso sorgfältiger.
  • Entspannungszeiträume dürfen zudem in dem neuen Modell der integrierten Arbeit nicht fehlen. Sei es der Gang in die Sauna, etwas Yoga nach Feierabend, das Treffen mit Freunden oder auch schlichtweg die Mittagspause – Freiräume müssen auch bei flexiblen Arbeitsmodellen bewusst in den Tag eingeplant werden. Ansonsten artet die eigentlich neue Freiheit in Stress zwischen Job, Haushalt, Kinderbetreuung & Co aus.
Work-Life-Balance

Sie sehen: Bei der Work-Life-Integration geht es eigentlich schlichtweg darum, endlich Verantwortung zu übernehmen und sein Leben gemäß der eigenen Vorstellungen, Wünsche, Bedürfnisse sowie Möglichkeiten zu strukturieren – denn das übernimmt fortan nicht mehr der Arbeitgeber mit seinen fixen Arbeitszeiten oder der definierten Mittagspause. Vielleicht haben deshalb so viele Menschen Angst vor der New Work, denn sie sind es schlichtweg nicht gewohnt, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen. Noch nicht…

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