Urs Willmann: Stress – Ein Lebensmittel
Psychologie

Stress – Ein Lebensmittel

Der Autor Urs Willmann ist ein Energie-Junkie. Er arbeitet leidenschaftlich gerne und sucht extreme sportliche Herausforderungen, am liebsten beim Marathonlauf und in den Bergen. Sein Blickwinkel auf das Thema Stress ist ein ganz anderer und er führt den Leser zu Menschen, die sportlich, künstlerisch und beruflich Außergewöhnliches leisten. Für sein Buch sprach er mit Stressforschern und präsentiert die neuesten Ergebnisse ihrer Arbeit – und er macht Mut zum positiven Stress!

Wer sich umhört, stellt fest, dass alle gegen Stress sind. Es gibt Antistress-Tee, Antistress-Badesalze und sogar Antistress-Schuhe. Doch langsam ändert sich das Bild: Wissenschaftler wie Firdaus Dhabar von der Standford University oder seine Kollegin Kelly McGonigal beginnen, den Stress im öffentlichen Ansehen und im wissenschaftlichen Dialog zu rehabilitieren.

 

McGonigal förderte, so Willmann in seinen Buch, Erstaunliches zu Tage: Im Rahmen einer Untersuchung des National Center for Health Statistics waren 29.000 Erwachsene in Wisconsin gefragt worden, wie viel Stress sie ausgesetzt seien und ob sie glaubten, dass Stress gesundheitsschädlich sei. Acht Jahre danch ermittelte McGonigal, wer von den damals Befragten gestorben war. Zunächst fand sie das was zu erwarten war: Jene Befragten, die im Jahr zuvor viel Stress hatten, wiesen ein um 43% höheres Sterberisiko auf.

 

Allerdings – und jetzt kommt der spannende Teil – galt das nur für den Teil, der zusätzlich angegeben hatte, Stress gefährde seine Gesundheit. Diejenigen, die angegeben hatten großem Stress ausgesetzt zu sein, ihn aber gleichzeitig für unbedenklich hielten, wiesen sogar ein niedrigeres Sterberisiko als der Durchschnitt auf! Daraus folgerte sie, dass „der Glaube an Stress als Gesundheitsrisiko in der Liste der Todesursachen Platz 15 einnimmt. (…) Dadurch werden mehr Menschen getötet als durch Hautkrebs, HIV oder Mord.“ Diese Erkenntnisse machte sie auch in einem TED-Talk der breiten Öffentlichkeit zugänglich, der bis jetzt über 11 Millionen mal aufgerufen wurde.

 

Als Wissenschaftsredakteur der Wochenzeitung „Die Zeit“ verfügt Willmann über die nötigen Fähigkeiten, das Thema fundiert und gleichzeitig spannend zu vermitteln. Er kombiniert zahlreiche Forschungsarbeiten mit persönlichen Geschichten und bringt so dem Leser einen neuen Blickwinkel auf das Thema Stress näher

 

Unser Fazit: Ein wertvolles Buch für alle, die neue Perspektiven zu einem scheinbar altbekannten Thema schätzen und gerne scheinbar gesichertes Wissen kritisch hinterfragen.

„Den schlechten Ruf verdankt der Stress einzig einem praktischen Fehler. Nur jener Gestresste verbraucht nämlich seine ganze gespeicherte Energie, der unter Druck seine Stressreaktion als dauerhafte Verteidigungslinie in Stellung bringt. Für diesen permanenten Einsatz jedoch ist die Fähigkeit zu Stress die falsche Waffe.“

Urs Willmann

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