Die Sprache: Der Wirkfaktor Nummer 1

Rhetorisch gut ist, wenn einer verständlich erklären kann, was er sagen will!

Die Frage ist:  Wie werden Inhalte sprachlich so verpackt, dass der Zuhörer leicht folgen kann und die wichtigsten Botschaften im Gedächtnis behält? Die folgenden Kriterien müssen für Verständlichkeit erfüllt sein:

  • Einfach
  • Kurz
  • Strukturiert
  • Stimulierend

Einfache Sprache

Es ist gar nicht so einfach, einfach zu sprechen. Gerade in offiziellen oder angespannten Situationen neigen viele dazu, komplizierte Sätze zu bilden. Sie wollen dann besonders förmlich und stilvoll klingen und sprechen deshalb nicht mehr auf natürliche Art und Weise. Doch jetzt ist die Gefahr groß, dass der Zuhörer abschaltet. Deshalb gilt:

  • Sprich in einfachen, kurzen Satzstrukturen wie Hauptsatz-Hauptsatz oder Hauptsatz-Nebensatz. Die Sätze sollten nicht mehr als 22 Wörter haben, um noch gut verstanden zu werden.
  • Fremdwörter und Abkürzungen nach rhetorischem Schema erklären: 1. das Fachwort benutzen. 2. Fachwort erklären. 3. Das Fachwort noch mindestens einmal benutzen.  Beispiel: „Wir sprechen jetzt über paraverbale Wirkung in der Kommunikation. Damit sind Atmung,  Stimmqualität und Sprechverhalten gemeint. Diese paraverbale Wirkung...“
  • Konkrete statt abstrakter Begriffe verwenden. Sie machen deinen Vortrag lebendiger und anschaulicher. Abstrakte Begriffe sind häufig substantivierte Verben, die auf –ung, -heit, -keit, -ismus, -tum, - schaft, -ät oder ion enden.  Zum Beispiel Krankheit, Betriebsamkeit oder Effektivität. Das Problem dieser Begriffe ist die unterschiedliche Interpretation dieser Wörter beim Hörer, was leicht zu Missverständnissen führt. Deshalb konkret formulieren. Also nicht: „Unsere Kundenorientiertheit ist sehr groß.“ Sondern eher so, wie ein Kaufhaus wirbt: „5 vor 8. Herzlich Willkommen!“

Kurz

Es gilt das Thema, aber nicht den Zuhörer zu erschöpfen. Und der kann nur begrenzt Informationen aufnehmen. Es gilt die kurze Regel für mündliche Kommunikation: Zu viel informieren bedeutet zu wenig informiert sein!

Strukturiert

Gib zu Beginn der Rede einen Überblick und wie Du dabei vorgehen wirst. So wird dein roter Faden auch zum roten Faden des Zuhörers. Er kann dann deine Gedanken besser einordnen und damit besser verstehen.
Wortpaare sind eine weitere Strukturierungsmöglichkeit. Ihre Funktion: Nach dem Nennen des ersten Wortes wartet der Zuhörer auf das Zweite. So erhöht sich seine Aufmerksamkeit. Beispiele: einerseits – andererseits. Entweder – oder. Vorteile – Nachteile. Anfang – Ende. Theoretisch – praktisch. Allgemein – speziell.

Fasse nach wichtigen Abschnitten das Gesagte noch einmal kurz und knapp zusammen. Durch diese Wiederholungen des Wichtigen werden deine Kernaussagen besser zum Hörer durchdringen. Formulierungen sind beispielsweise: unterm Strich...; auf den Punkt gebracht...; also kurz zusammengefasst....

Stimulierend

Sprich anschaulich! Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte und verursacht Assoziationen beim Zuhörer, die Emotionen auslösen. Dies kann erreicht werden durch  Rhetorische Figuren. Figuren sind stilistische Stilmittel, mit denen bestimmte Wirkungen erzielt werden können.

Praxis-Tipp:

Achte auf deine Worte. Klare Aussagen verzichten auf Überflüssiges, das sich gern beim unstrukturierten Sprechen breit macht. Diese Floskeln und Weichmacher schwächen meist das Gesagte ab und hinterlassen einen unsicheren Eindruck des Redners beim Publikum.  Die Satzverlängerer tun genau das, was der Name sagt: Hauptsätze werden verbunden und damit für den Zuhörer so lang, dass er am Ende des Satzes häufig den ­Anfang schon wieder vergessen hat.

Die 5 Werte einer guten Performance

Das Meiste, was in einem guten Vortrag gesagt wird, besitzt einen Wert für den Zuhörer. Diese unterschiedlichen Werte lassen sich in fünf unterschiedliche Bereiche einteilen – und somit vorab überprüfen. Je nach dem, ob ich mich noch mitten in der Vorbereitung befinde, oder in ihrer Endphase: Anhand der 5 Werte kann jeder Redner nochmals gegenchecken, wie wirkungsvoll der Auftritt ungefähr werden wird. Dabei ist wichtig: Nicht jeder Wert muss gegeben oder erfüllt sein. Jedoch hat sich grundsätzlich gezeigt, je mehr Werte berücksichtigt werden, desto wirkungsvoller der Vortrag.

Alles was in einer guten Rede gesagt wird, besitzt einen Wert für den Zuhörer.

  • Informationswert: Kann ich den Nutzen klar machen?
  • Neuigkeitswert: Wie viele potentielle Aha-Effekte sind in meiner Rede enthalten?
  • Unterhaltungswert: Welche Stellen in meiner Rede bieten Raum für Humor?
  • Dramaturgischer Wert: Lässt meine inhaltliche Abfolge Spannung bzw. Neugier entstehen?
  • Imaginationswert: Schaffe ich es, dass ein Film im Kopf meiner Zuhörer abläuft?

Aus diesen 5 Werten entsteht das, was für den Zuhörer Inspiration bedeuten kann.

Definition Inspiration:
Inspiration = 1. Anregung, Einfall; 2. Erleuchtung, Eingebung; 3. Einatmung

Beispiel: Ein technischer Vortrag kann solch einen extrem hohen Neuigkeitswert beinhalten, dass der Zuhörer dadurch zugleich großen Nutzen und somit einen hohen Informationswert erhält. Und obwohl vielleicht weder Humor (Unterhaltungswert), noch eine besondere Dramaturgie oder gute Visualisierung (Imaginationswert) enthalten ist, kann der Vortrag doch sehr gut ausfallen (nicht auszudenken, welche Wirkung möglich gewesen wäre, wenn auch noch 1-2 weitere Werte berücksichtigt worden wären)!

Praxis-Tipp:

Überprüfe vor der Generalprobe den gesamten Vortrag auf jeden der einzelnen Wert hin (Bsp „Unterhaltungswert“ – frage Dich: „An welchen Stellen ist Raum für Humor?“, „An welchen Stellen des Vortrags könnten humorvolle, lustige Momente entstehen?“, „Wie kann ich zusätzlich solche unterhaltsamen Momente ermöglichen?“ etc.)