Die persönlichen Voraussetzungen für eine gute Präsentation

„Eine Rede ist dann überzeugend, wenn ich zeige: Dies bin ich, und ich meine es so, wie ich es sage.“

Walter Jens, Rhetorikprofessor

Dies geht aber nur, wenn die persönlichen Voraussetzungen stimmen.

Diese Voraussetzungen sind:

  • Wertschätzung
  • Echtheit
  • Individualität
  • Selbstsicherheit (Unaufdringlich)

Wertschätzung

Echte Wertschätzung ist eine Frage der inneren Einstellung. Wenn ich die Personen, zu denen ich spreche oder mein Thema nicht achte und respektiere, drückt sich diese Geringschätzung häufig unbewusst in Worten und Gesten aus. Das Publikum spürt diesen fehlenden Respekt stärker als der Redner und deutet es als Insensibilität oder Arroganz.

Umgekehrt bildet echte Wertschätzung eine Brücke zum Publikum. Sie ist eine wichtige Basis, denn sie schafft Vertrauen,  das die Ohren und Herzen der Zuhörer öffnet.

Praxis-Tipp

Wertschätzung wird signalisiert durch:

  • Blickkontakt
  • Freundliche Begrüßung ohne Floskeln
  • Relevante Beispiele
  • Angemessene Sprachebene
  • Erkennbare Vorbereitung
  • Eingehen auf Fragen und Einwürfe

Vorsicht!

  • Oberlehrerattitüde: „Ich werde versuchen, es Ihnen so verständlich darzustellen, dass auch Sie als Laien...“
  • Übertreibungen: „Hochverehrtes akademisches Publikum...“
  • Selbstverkleinerung: „Meiner unmaßgeblichen Meinung nach...“
  • Verbalschleimerei: „Diese unübertroffen schöne Universität mit ihrer weltweit exzellenten Reputation...“

Echtheit

Redner werden als echt oder authentisch wahrgenommen, wenn ihre Innenwelt mit dem optischen und hörbaren Ausdruck übereinstimmt. Was gedacht und gesagt wird, muss widerspruchsfrei sein. Dann hat man den Eindruck als Zuhörer: „Da glaubt einer, was er sagt! Und er sagt, was er denkt!“

Diese Echtheit ist nicht mit Naivität oder gnadenloser Ehrlichkeit zu verwechseln. Es bedeutet nur, dass deine Kernbotschaften mit Deinen Überzeugungen übereinstimmen müssen. In der Situation nimmt man logischerweise Rücksicht auf Konventionen und ist somit ‚selektiv authentisch’. Das bedeutet aber trotzdem: ich kann nur sagen, was ich fachlich durchdrungen habe und was ich guten Gewissens vertreten und aus Überzeugung sagen kann. Gelingt das nicht, wird man auf Dauer keinen Erfolg haben.

Individualität

Der Redner soll persönlich mit dem Thema verbunden sein. Es muss also spürbar werden, was er aus eigener Erfahrung dazu zu sagen hat, wo er gerührt, überrascht oder leidenschaftlich ist.  

Versucht der Redner also nicht, jemanden zu kopieren oder einem Perfektionsideal zu entsprechen, scheint seine Individualität durch, er wird greifbarer und damit glaubwürdiger. Und wenn Individualität erkennbar ist, wird aus einem Sprecher ein Redner.

Praxis-Tipp:

Nur Mut! Verstecke deine eigenen Züge nicht. Stehe zu deiner Individualität, aber inszeniere sie nicht!

Unaufdringliche Selbstsicherheit

Es ist schon verhext. Auf der einen Seite wollen wir souverän präsentieren, andererseits hemmt uns häufig die Angst vor Beobachtung und Negativbewertung. Um seine Nervosität nicht zu zeigen, nutzt man einen vermeintlichen Schutzschild aus übertriebener, aufgesetzter  Selbstsicherheit.

Doch Vorsicht: Die zur Schau gestellte so-als-ob Souveränität wirkt entweder arrogant oder wie eine Fassade.

Wichtig ist vielmehr ein gutes, stabiles Gefühl, das sich durch Üben, Feedback und Konfrontation mit der eigenen Außenperspektive entwickelt. Hierzu dienen vor allem Videoanalysen mit Selbst-und Fremdeinschätzung.

Neben dem Übungsfaktor erhöht das Sprechen vor Publikum und Kamera die Selbstwahrnehmung und Selbstkontrolle. Die Chance zur Selbstkontrolle hast Du als Redner vor allem dann, wenn Du nicht nur weißt, wie Du Dich fühlst, sondern auch, wie Du nach außen wirkst.

Praxis-Tipp:

Achte bei der Videoanalyse auf die Vorgehensweise: Analysiere Dich erst selbst. Formuliere erst Positives, dann Negatives. Anschließend geben dir die Zuhörer ihre Eindrücke wider: deine Stärken und die Optimierungsmöglichkeiten.

Außensicht und Innensicht ermöglichen eine stabile Selbsteinschätzung. Das ist wiederum die Basis für Selbstsicherheit. Und die hilft, die Rede mit der nötigen  entspannten Konzentration souverän und natürlich vorzutragen – mit unaufdringlicher Selbstsicherheit!